# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1898_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Verhandlungen der ſiebzehnten Verſammlung Wir wollen auf dieſen letzten Gedanken etwas näher eingehen. Es iſt ſehr vielfach in unſern Gemeinden das vergeſſen, was eigentlich eine Synode iſt. Es wird ſehr vielfach das Verhältniß einer Gemeinde zur Synode angeſehen als das eines Theils, der ſich einem Körper angefügt hat, als ob der Körper eher geweſen wäre, als die Gemeinden, als ob irgend jemand eine Synode gegründet hätte, der ſich nachher auch Gemeinden angeſchloſſen hätten, wäh⸗ rend doch thatſächlich die Entſtehung einer Synode die iſt, daß eben Ge⸗ meinden mit einander Gemeinſchaft ſuchen, halten und pflegen und das gemeinſam thun, was einer jeden Gemeinde Pflicht iſt. Das, was die Synode thut, wird nicht Pflicht der Gemeinde, nicht eine Sache der Ge⸗ meinden, weil ſie ſich der Synode angeſchloſſen haben, ſondern was die Synode thut, iſt Pflicht der Synode, weil es Pflicht der einzelnen Ge⸗ meinden iſt, die die Synode bilden. Nicht Synoden hat der Heiland im Auge gehabt, ſondern Gemeinden, als er ſagte: „Prediget das Evangelium aller Creatur.“ Dieſe Pflicht hat jede Gemeinde, nicht ſofern ſie Synodal⸗ glied iſt, daß ſie nun erſt theilnehmen müßte an der Erhaltung der kirch⸗ lichen Anſtalten, an der Betreibung des kirchlichen Miſſionswerkes und aller der Liebeswerke, die die Synode übt, ſo daß ſie nun dieſer Pflicht entledigt wäre, wenn ſie ſich von der Synode zurückzöge; nein, die Pflicht hat die Gemeinde in die Synode hineingebracht, und wenn ſie ſich von der Synode aus irgend einem Grunde trennt, nimmt ſie ſie wieder mit heraus; denn es war je und je ihre Pflicht. Das ſollte in unſern Gemeinden mehr leben, daß unſere Brüder ſich deß bewußt wären: was wir in Gemeinſchaft mit unſern Schweſtergemeinden in der Synode thun, das thun wir nicht, weil uns die Synode das auferlegt, weil die Synode es beſchloſſen hat und weil wir denn doch einmal Glieder der Synode ſind und mithalten müſſen, ſondern umgekehrt, daß die Synode dieſe Werke treibt, kommt da⸗ her, daß wir da ſind, wir Gemeinden, die dieſe Pflicht haben und ſie ge⸗ meinſam üben wollen. Zu den Pflichten nun, welche chriſtliche Gemeinden und ihre Glieder vermöge ihrer Gemeinſchaft mit andern Gemeinden oder ihren Gliedern zu üben haben, gehören eben auch die von Gott in ſeinem Worte ſelber ge⸗ botenen und normirten Stücke der kirchlichen Praxis. In Abſicht auf dieſe Stücke ſollen ſich die chriſtlichen Gemeinden und ihre einzelnen Glie⸗ der, ſchon abgeſehen davon, daß ſie mit andern Gemeinden und ihren Glie⸗ dern zuſammenleben, nach Gottes Wort und Weiſung halten. Weil es Gott geboten hat, daß ſie ſo handeln ſollen, ſollen ſie ſo handeln, wie Gottes Wort ihnen vorſchreibt. Aber wie wir ja auch aus verſchiedenen Gründen beten ſollen, wie uns 1. Gottes Befehl, 2. Gottes Verheißung und 3. unſere Noth zum Gebete treiben ſoll, ſo haben wir auch verſchiedene Gründe, aus welchen wir in Abſicht auf die in Gottes Wort beſtimmte kirchliche Praxis practiciren ſollen. Einer dieſer verſchiedenen Gründe iſt hier in der Theſis namhaft gemacht. Sie lautet wie folgt: