# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1898_S5 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1898. 5 Gemeinſchaft dargeſtellt. Auch unſer HErr und Meiſter JEſus Chriſtus ſelbſt iſt nicht als ein Eremit draußen in der Einſamkeit ein Lehrer eines Separatiſtenhäufleins geworden, ſondern er hat mit ſeinen Gefährten, mit ſeinen Jüngern ſich hören laſſen da, wo er mit ſeinen Volksgenoſſen, mit den zerſtreuten Schafen vom Hauſe Iſrael in Verkehr trat, hat mit den Zöll⸗ nern und Sündern gegeſſen und getrunken, ja, in der Nacht, da er verrathen ward, ſehen wir ihn und hören ihn in Gemeinſchaft mit ſeinen Jüngern. Da führt er Geſpräche mit ihnen, bis es heißt: „Stehet auf, und laſſet uns von hinnen gehen.“ Und auch da geht er nicht alleine; er nimmt mit ſich ſeine Jünger in den Garten; in ſeiner Todesangſt und blutigem Schweiß hat er wenigſtens drei von ihnen in ſeiner Nähe; er bittet und fleht ſie förm⸗ lich an: „Bleibet hie und wachet mit mir.“ Es iſt nicht gut, daß der Menſch allein ſei. Nicht zum letzten Male hat den Einſamen der Teufel aufgeſucht, da der Satan ſich an den Sohn Gottes in der Wüſte machte; und wer nicht Beruf dazu hat, wie der Heiland vom Geiſte in die Wüſte geführt war, ſoll ſich wohl vorſehen, ehe er ſich loslöſt von der Gemeinſchaft ſeiner Brüder und ſich in die Einſamkeit begibt oder mitten unter den anderen für ſich allein ſein will, ein Separatiſt. Das iſt nicht ein Zeichen einer erhöhten Gott⸗ ſeligkeit, ſondern eines ungeſunden Geiſtes und eines ungeſunden Geiſtes⸗ lebens. Es iſt auch nie etwas Gutes dabei herausgekommen, wenn man ſelbſt⸗ erwählte Einſamkeit und ſelbſterwähltes Separiren für etwas Gutes gehalten hat. So iſt ja auch die chriſtliche Kirche von vornherein als eine Kirche, als eine Gemeinſchaft vieler, geſtiftet, als ein Leib mit vielen Gliedern an dem Einen Haupte, als ein Haushalt, da Gott ſelbſt der Hausvater iſt, als ein Reich, darin Chriſtus der König iſt. Zwar müſſen die Einzelnen ſelig werden, jeder für ſich; wir werden nicht dutzendweis ſelig, ſondern jeder Einzelne muß für ſich glauben, und jeder Einzelne für ſich im Glauben er⸗ halten werden, um ſelig zu werden. Und darum iſt es recht, wenn ein chriſt⸗ licher Seelſorger und eine chriſtliche Gemeinde auch ihre Augen auf die Ein⸗ zelnen gerichtet halten, an den Einzelnen ihre Seelſorger⸗ und Bruderpflicht thun und nicht meinen, es ſei damit gethan, daß von der Kanzel gut ge⸗ predigt werde. Das iſt auch wahr, die gute Predigt von der Kanzel iſt das Hauptſtück der Thätigkeit eines guten Paſtors; aber auch der Einzelne ſoll ſein beſcheiden Theil beſonders zugetheilt bekommen, wie es ihm noth iſt; dazu hat der HErr Haushalter über ſeine Geheimniſſe geſetzt. Und doch, ſo gewiß das iſt, ſo iſt andererſeits ebenſo gewiß, daß der Einzelne nach Gottes Willen hier auf Erden wie dort im Himmel mit andern miterlöſten, mitbekehrten Glaubensgenoſſen in Einem Glauben, Einer Liebe, Einer Hoff⸗ nung ſich verbunden wiſſen ſoll. So iſt es denn nicht von ungefähr, wenn wir auch nicht ein ausdrückliches Gebot Gottes dafür haben, daß chriſtliche Gemeinden mit einander in Verbindung treten, und daß auf dieſe Weiſe Synoden entſtehen, daß Synoden mit einander in Verbindung treten und auf dieſe Weiſe eine Synodalconferenz entſteht.