# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S296 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 296 Was versteht man jetzt unter Fortentwicklung der Lehre der luth. Kirche? schen forderte. Ihr depotenzirter Gottmensch konnte auch nur eine depotenzirte Erlösung hervorbringen. Dies ist indeß nur die eine Seite Ihres Systems; eine andere wird ebenfalls zu bedenken sein. Sie sagen § 46, daß das immanente Verhältniß der drei Personen zu einander durch das Menschgewordensein des Sohnes keine Unterbrechung erlitten habe, das müsse als unmöglich gedacht werden. Nur eine innere Modification sei eingetreten, denn indem der Sohn Mensch werde, trete die menschliche Natur in die innerste Tiefe des trinitarischen Lebens ein und der Wechselverkehr zwischen den drei Personen werde zu einem Verkehr des Vaters mit dem Menschen Jesus im heiligen Geiste. Sie bemerken § 47: der Schein, als sei nun der Sohn im Stande seiner Erniedrigung dadurch, daß er nicht mehr allmächtig und allgegenwärtig und allwissend das Universum regiere, aus der innergöttlichen trinitarischen Verbindung ausgeschieden, wäre dadurch gelöst, daß die welterlösende Thätigkeit das Centrum der welterhaltenden und weltregierenden sei. Aber um auf diesen letzten Punkt zuerst zu antworten, so muß ich, so schön und tief der Gedanke auch ist, doch bemerken, daß der Sohn immerhin aus der allmächtigen Weltregierung ausgeschieden bleibt, weil er im Stande seiner Erniedrigung aufgehört hat, als allmächtiger Gott die Welt zu regieren. Zum Weltregiment gehört doch nicht blos die erlösende und barmherzige Liebe Gottes, sondern auch seine allmächtige. Die Allmacht aber hatte der Sohn nicht im Stande der Erniedrigung, also regierte er nicht die Welt. Dazu kommt, daß im Stande der Erniedrigung die Erlösung doch jedenfalls eine werdende war, die Weltregierung Christi war aber eine absolute, da die aber cessirte, als er mit der Einführung der Erlösung beschäftigt war, so bleibt in der That für die Weltregierung nichts übrig, als—ein Interregnum. Oder aber, sieht der Erlöser schon von seinem Eintritt in die Welt an die Erlösung vollendet, so daß er im Werden des Redens, Handelns und Leidens die Erlösung als vollbracht vor Augen hat und in Folge dieser als vollbracht voraus geschauten Erlösung die Welt regiert? So wäre das eben nicht Ihr Gottmensch, der als ein wirklicher und beschränkter Mensch sein Ziel nicht vorher wissen konnte. Bei ihm mußte sogar die Möglichkeit gegeben sein, daß er die Erlösung nicht würde zu Stande bringen können, denn das gehört ja mit zum vollen Menschenthum: somit konnte er auch nicht die Welt als Erlöser im Stande der Erniedrigung proleptisch regieren, sondern nur der Vater, der Alles vollendet vor sich sah. Was aber das trinitarische Verhältniß betrifft, in dem der erniedrigte Gottessohn noch immer stehen soll, so fällt mir zuerst die künstliche Brücke in die Augen, auf der Sie zwischen Ihrem erniedrigten Gottmenschen durch den heiligen Geist mit dem Vater das trinitarische Commercium herstellen. Mir scheint diese Brücke so künstlich, daß ich mich kaum mit meinen Gedanken darauf wage. Zu welchem Ende bauen Sie eigentlich diese Nothbrücke, da Sie doch ganz verständlich gelehrt haben, daß der Logos nicht und nirgends existirt außerhalb des Fleisches? Den angeblichen Dualismus der Kirche,