# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 01_S109 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſolche Gefahr und Mühe ausbleiben und nim— mermehr kommen mag, daß er mehr verliere, denn er anlegt, und alſo das Geld, gerade als möchte es alles und allezeit ohne das andere Intereſſe ſein, angelegt: ſo iſts klar, daß der Kauf auf nichts gegründet iſt, dieweil ein ſolches Intereſſe nicht mag ſein noch erfunden werden. Denn in ſolchem Kauf findet er alle⸗ zeit Waar vorhanden und mag handeln ſtill ſitzend, krank, Kind, Weib, oder wie untüchtig er ſei, der keines nicht ſein mag im Handel und Gewerben mit bloßem Geld. Derhalben, die auf ſolch Intereſſe allein ſehen und handeln, ſind ärger, denn Wucherer, ja ſie kaufen das erſte Intereſſe durch das andere Intereſſe, und gewinnen eben damit, da andere Leute mit ver⸗ lieren. — Geld auf Zinſen hat einen Grund, der ohne Unterlaß wächſt und trägt aus der Erde ohne Sorge der Verluſt an der Haupt— ſummen. Aber Geld im Handel hat nichts Gewiſſes, darum iſt hie kein Intereſſe, denn zufällig, darauf nichts zu bauen iſt. — Die— weil denn nicht mit einem jeglichen Geld man Gründe überkommen mag, ſo kann man anch nicht Zins um ein jegliches Geld kaufen. Darum iſts nicht genug geſagt, mit ſo viel Geldes möchte ich ſo viel Zins auf einen Grund kaufen, darum nehme ich billig ſo viel Zins dafür und laſſe einen andern für den Grund ſorgen. Denn mit der Weiſe will man einem jeglichen Geld einen baaren Grund zu— rechnen, das doch nicht möglich iſt und daraus große Beſchwerung der Land und Leute folgen muß. — Darum ſollte nicht geſtattet werden, daß man Zinſen kaufte mit bloßem Gelde, un— angezeigt und unbeſtimmt den Grund der Zinſe inſonderheit, wie jetzt der Brauch iſt unter den großen Kaufleuten, und fahren da— hin, legen das Geld auf einen Grund insge— mein und ungenannt. Denn dadurch geben ſie der Natur und Art des Geldes, das doch uur ſein Glück und Zufall iſt. Es iſt nicht die Natur des Geldes, daß es einen Grund kaufe, ſondern es mag zufällig ein Grund feil werden auf Zinſe, da etlich Geld zu nütze ſei, das ge— ſchieht aber nicht allem Grund und allem Geld. Darum ſoll man den Grund nennenſund eigent⸗ lich beſtimmen. Wenn das geſchähe, ſo würde wohl offenbar werden, wie viel Geld müßte zinslos in dem Handel oder Kaſten bleiben, das jetzt Zinſen treibt und doch keine andre Fuge noch Farbe hat, denn daß man in einer gemein hinſaget: ich möchte ſo viel Zinſe da— für kaufen auf einem Grunde, und das ſoll Intereſſe heißen. Ja, Lieber, mein Geld möchte meinem Nachbar ſein Haus abkau— fen; ſo es ihm aber nicht feil iſt, gilt das Mögen meines Geldes mit ſeinem Intereſſe nichts. Alſo iſt nicht alles Geldes Glück, daß es Zinſen kaufe auf einen Grund und wollen doch auf Alles, was gemünzet mag werden, Zinſekaufen; das ſind Wucherer, Diebe, Räu— ber, denn ſie verkaufen des Geldes Glück, das nicht ihr iſt, noch in ihrer Gewalt. — Jetzt wollen die reichen Kaufleute ihres Geldes Glück, und daſſelbe eitel ohne Unglück, dazu anderer Leute Willen und Muth verkaufen, an welchem es liegt, ob ſie verkaufen wollen; das 109 heißt die dreizehnte Bärenhaut verkauft — und dies iſt die einige Enthaltung dieſes Kaufs, daß er nicht ein Wucherer ſei, und mehr thut, denn alle Intereſſe, daß der Zins jun⸗ ker ſeinen Zins habe in aller Gefahr, und ihr ungewiß ſei, als alle anderer ſeiner Güter. Denn der Zinsmann mit ſeinem Gut iſt unterworfen Gottes Gewalt, dem Ster⸗ ben, Kranken, Waſſer, Feuer, Luft, Hagel, Donner, Regen, Wölfe, Thiere, und böſer Menſchen mannigfaltige Beſchädigung. Dieſe Gefahr alleſammt ſollen den Zinsherrn be— treffen, denn auf ſolchen und nicht auf andern Grund ſtehen ſeine Zinſen. Es gebührt ihm auch nicht ehe Zinſe für ſein Geld, es ſei denn, daß der Zinsmann oder Verkäufer des Guts eigentlich beſtimmt und ſeiner Arbeit frei, ge— ſund und ohne Hinderniß brauchen möge — alſo wo dem Zinsmann nach gethanem Fleiß ſeine Arbeit nicht gelinget, ſoll er und mag ſagen zu ſeinem Zinsherrn frei: Dies Jahr bin ich dir nichts ſchuldig, denn ich habe dir meine Arbeit und Mühe, Zins zu bringen, auf dem und dem Gut verkauft; das iſt mir nicht gerathen; der Schade iſt dein, und nicht mein, denn willſt du ein Intereſſe mit haben zu ge— winnen, mußt du auch ein Intereſſe mit haben zu verlieren — und welche Zins— herrn das nicht leiden wollen, die ſind ſo fromm, als Räuber und Mörder, und reißen aus dem Armen ſein Gut und Nahrung. Wehe ihnen! — Derſelbe Zinskauf geſchieht etwann, daß man denen abkauft, die wohl dürften, daß man ihnen leihete oder gäbe; ſo taugt er doch zu Grunde gar nichts, denn Gottes Gebot ſtehet im Wege, und will, daß dem Dürftigen geholfen werde mit Leiheu und Geben. Zum andern Mal geſchieht er, daß der Käufer und Verkäufer, beider Theil des Ihren bedürfen, derhalben noch leihen noch geben vermögen, ſon— dern ſich mit des Kaufs Wechſel behelfen müſſen. Wenn nun das geſchieht ohne Uebertretung des geiſtlichen Geſetzes, daß man aufs 100 4, 6 fl. gibt, laßt ſich tragen; doch ſoll allezeit die Gottesfurcht ſorgfältig ſein, daß ſie mehr fürchte, ſie nehme zu viel, denn zu wenig, daß der Geiz nicht neben der Sicherheit des ziemlichen Kaufs einreiße; je weniger aufs Hundert, je gött— licher und chriſtlicher der Kauf — aber meines Dünkens achte ich, ſo wir Chriſti Gebot halten wollten in den erſten dreien Graden, ſollte der Zinskauf nicht ſo gemein oder noth ſein, es wäre denn in großen merklichen Summen oder tap⸗— fern Gütern. Er reißt aber ein in die Groſchen und Pfennige und übt ſich hienieden in gar ge— ringen Summen, die man leichtlich mit Geben oder Leihen ausrichtet nach Chriſti Gebot, und will doch nicht Geiz genannt ſein. —Hier fah— ren ſie aber daher und ſagen: die Kirchen und Geiſtlichen thun das und habens Macht, die— weil ſolches Geld zu Gottesdienſt gelanget — Thue den Namen der Kirche ab, und ſprich: es thuts der wucherſüchtige Geiz! —Was got— tesdieuſt du mir? Das heißt Gott gedient, ſein Gebot gehalten, daß man niemand ſtehle, nehme, überſetze, und desgleichen, ſondern gebe und leihe den Dürftigen. Solche wahrhaftige Gottesdienſte willſt du zerreißen, auf daß du Kirche baueſt, Altar ſtifteſt und leſen und ſin— gen läßt, der dir Gott keines geboten hat —Es iſt beſſer, aus 10 Stiftungen Eine göttliche ge⸗ macht, denn viel behalten wider Gottes Gebot. — Nicht wenig Käufer wollen ihrer Zins und Guts gewiß ſein und darum Geld von ſich thun, daß bei ihnen nicht in der Gefahr bleibe, und viel lieber ihnen iſt, daß andere Leute damit arbeiten und in der Gefahr ſtehen, daß ſie die— weil müſſig und faul ſein mögen, und doch alſo reich bleiben oder werden. Iſt das nicht Wu⸗ cher, ſo iſt er ihm faſt ähnlich. Kürzlich, es iſt wider Gott.“ p. 1005 —1015.—„Wo das dazu ſchlägt, daß der Käufer ſeinen Zins will für voll haben, unangeſehen, daß der Verkäufer auf dem Grunde oder Unterpfand hat Schaden erlitten, wie das oft geſchieht ohne Verwirkung deſſelben, ſo iſt der Käufer ein Räuber vor Gott und der Welt, nimmt jenem ſeinen Schweiß und ſein Blut. Denn des Grundes Gefährlich— keit ſoll ſtehen auf des Käufers Seiten, daß er ſeiner Zinſe ſo unſicher ſei, als jener ſeines Hauptgeldes, beide in Gottes Hand ihres Guts wegen. Summa, ich achte, der Zinskauf ſei nicht Wucher, mich bedünkt aber, ſeine Art ſei, daß ihm leid iſt, daß er nicht muß ein Wucher ſein: es gebricht am Willen nicht, und muß leider fromm ſein.“ p. 10231025. (v. Jahr 1519.) II. Aus Luthers: „Vermahnu ngan die Pfarrherren wider den Wucher zupredigen.“ (1540.) „Man ſoll dem Volk deutlich und klärlich vorſagen 1., vom Leihen und Borgen: wo man Geld leihet und dafür mehr oder Beſſers for— dert oder nimmt, das iſt Wucher, in allen Rech— ten verdammt. Darum alle diejenigen, ſo 5, 6, oder mehr aufs Hundert nehmen von gleichem Gelde, die ſind Wucherer; darnach ſie ſich wiſ⸗ ſen zu richten und heißen des Geizes oder Mammons abgöttiſche Diener und mögen nicht ſelig werden, ſie thun denn Buße. Alſo eben ſoll man von Korn, Gerſten und anderer mehr Waar auch ſagen, daß wo man mehr oder Beſſeres dafür fordert, das iſt Wucher, geſtoh— len und geraubt Gut, denn leihen heißt das, wenn ich jemand mein Geld, Gut oder Geräthe thue, daß ers branche, wie lang ihm noth iſt, oder ich kann und will, und er mir daſſelbe zu ſeiner Zeit wiedergebe, ſo gut als ichs ihm habe geliehen, wie ein Nachbar dem andern leihet Schüſſel, Kannen, Bette, Kleider, alſo auch Geld oder Geldeswerth, dafür ich nichts neh— men ſoll.“ p. 1025 —26. Spricht Junker Wucher alſo: „Lieber, als jetzt die Läufte ſind, ſo thue ich meinem Näch— ſten einen großen Dienſt dran, daß ich ihm leihe 100 auf 5, 6, 10, und er dankt mir ſol⸗ chen Leihens als einer ſonderlichen Wohlthat, bittet mich wohl drum, erbeut ſich auch ſelbſt willig und ungezwungen, mir 5, 6, 10 Gülden zu ſchenken; ſollte ich das nicht ohne Wucher mit gutem Gewiſſen mögen nehmen? Wer will ein Geſchenk für Wucher achten? Hier ſage ich: Laß du rühmen, ſchmücken, putzen, wer da will, kehre dich gleichwohl nichts dran; bleibe feſt bei dem Text: man ſoll auf Leihen nichts mehr