# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S45 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 45 ſündigt ſich, wenn ſie den eingetretenen Umſtänden wieder Rechnung trägt und dem Lehrer Weiſung gibt, ſich nach einem andern Berufe umzuſehen. Da kann der Lehrer ſich nicht darauf ſteifen, daß er hieher berufen ſei und keinen andern Beruf annehmen werde. Die Gemeinde, die das Recht hat abzuzweigen, hat dasſelbe Recht, wenn die Verhältniſſe wieder eine Neu⸗ ordnung der Dinge erheiſchen, dieſe Abzweigung wieder einzuſtellen und ſämmtliche Functionen wieder in dem einen Lehrer der Gemeinde zu ver⸗ einigen. Es heißt in der Theſis: „ihren örtlichen Verhältniſſen und den kirch⸗ lichen Intereſſen ihrer Glieder Rechnung zu tragen.“ Die kirchlichen In⸗ tereſſen der Glieder einer Gemeinde ſollen ja von der Ortsgemeinde, der die Schlüſſel des Himmelreiches gegeben ſind, in der beſtmöglichen Weiſe ge⸗ wahrt ſein; für die einzelnen Gemeindeglieder ſoll ſo geſorgt ſein, wie ſie am beſten verſorgt ſind. Wenn eine Gemeinde z. B. ſähe, ein Gemeinde⸗ glied könnte in einer andern, benachbarten Gemeinde beſſer verſorgt werden mit Predigt und mit Schulunterricht für die Kinder des Hauſes, die Familie könnte dort regelmäßiger zum Gottesdienſte kommen; und wenn nun dies Gemeindeglied ſich dort anſchließen wollte aus dieſen Gründen, ſo ſoll die Gemeinde wiſſen: Sie iſt nicht da, um zunächſt das Intereſſe des Ganzen im Auge zu behalten, ſondern ſie iſt da, weil die einzelnen Glieder ſelig werden ſollen. Die Gemeinde, beſonders die Gemeinde der Stimmberech⸗ tigten, wird nicht als Ganzes ſelig, ſondern die Einzelnen müſſen jeder ſeines Glaubens leben und ſelig werden, und die Gemeinde iſt dazu da, daß die Einzelnen ſelig werden ſollen. Und wo die beſſer verſorgt ſind, wo einem mehr Kraft und Nahrung, Hülfe, Rath und Stärkung zu Theil werden kann, wenn er ſich dorthin hält, ſo iſt die Gemeinde nicht berech⸗ tigt, ihn zu halten, etwa weil ſie ſeiner nicht entbehren könne. Nicht ſind die Gemeindeglieder um der Gemeinde willen da, ſondern umgekehrt. Frei⸗ lich darf die beſſere Verſorgung, die ein Chriſt für ſich und die Seinen ſucht, nicht darauf hinauslaufen, daß er ein Feinſchmecker iſt und dieſen oder jenen Prediger lieber hören möchte als ſeinen bisherigen und meint, er werde deshalb mehr Segen haben, weil jener beredter oder gelehrter und geiſtreicher wäre. Iſt es doch überall der Kern der evangeliſchen Wahr⸗ heit, der den geiſtlichen Menſchen nährt, und die größeren Gaben eines Predigers oder irgend dergleichen Dinge thun nichts zur eigentlichen Kraft der Predigt hinzu. Aber es mag z. B. ein Kirchweg, der es ihm oft un⸗ möglich machte, den Gottesdienſt zu beſuchen, und die Kinder am regel⸗ mäßigen Schulbeſuch hinderte, wohl ein Grund ſein, weswegen einem Hausvater zu geſtatten wäre, ſich einer andern Gemeinde anzuſchließen, deren Kirche und Schule zwar entfernter gelegen, aber für ihn und die Seinen leichter und ſicherer erreichbar wäre. Wiederum aber ſoll auch ein Gemeindeglied nicht thun, als ob es allein die Gemeinde wäre, als ob für ihn müſſe geſorgt werden, wenn auch alle