# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 43 in Thaten geltend, Kerker und Schwert kamen zur Anwendung. Da ließ ſich von vorn herein erwarten: hier wird's Noth geben; da werden bald viele Arme ſein, und wenn wir nicht Vorkehrungen getroffen haben, was wird dann aus der Gemeinde werden? Da haben ſie dafür geſorgt, daß der Noth ſchon zum Voraus Abhülfe geſchafft werde. Wer Eigenthum beſaß, hatte es ſchon hergebracht zur Vertheilung. Es währte auch nicht lang, bis man erkannte, wie weiſe dieſe Vorkehrung geweſen war, daß man eine Kaſſe angelegt hatte, aus der man ſofort nehmen konnte, ohne erſt zu collectiren. Denn Communismus war dort nicht eingeführt; es war nie⸗ mals irgend einem Gemeindegliede aufgelegt, daß es müſſe ſeine Habe her⸗ geben, wie wir bei Ananias und Sapphira ſehen. Aber eine gemeinſame, und zwar eine ſehr reichlich bedachte Gemeindekaſſe hatten ſie eingerichtet. Bei der Verwaltung dieſer Kaſſe aber ſtellte ſich bald eine χρεια heraus, ein Bedürfniß; die Apoſtel merkten, daß hie und da Unzufriedenheit laut wurde; da wurden manche überſehen; die Verwaltung der Liebeskaſſe gelang nicht ſo, wie man es wohl ſelbſt gern geſehen hätte, daß nämlich alle reichlich verſorgt würden und zufrieden wären. Da wurde nun den Verhältniſſen wiederum Rechnung getragen; es wurden gewiſſe Functionen, die dem Einen Amte in der Kirche angehören, gewiſſen Perſonen übertragen, ſo daß nun dieſem Uebelſtande, der ſich gezeigt hatte, abgeholfen wurde. Merkwür⸗ dig iſt auch, mit welcher Weisheit und Gefliſſenheit, gerade den örtlichen Verhältniſſen Rechnung zu tragen, die Einrichtung des Diakonats vollzogen wurde. Denn zuerſt leſen wir: In den Tagen aber, da der Jünger viel wurden, erhub ſich ein Murmeln unter den Griechen, wider die Ebräer, darum, daß ihre Wittwen überſehen wurden in der täglichen Handreichung. Es waren Stockjuden und Helleniſten in der Gemeinde, und es hatte ſich zugetragen, daß gerade Wittwen von den Helleniſten waren überſehen worden; daraus war Unzufriedenheit und ſogar Mißtrauen entſtanden, da die Apoſtel eben nicht Helleniſten waren und gerade Helleniſtenwittwen ver⸗ nachläſſigt erſchienen. Selbſt dieſe Umſtände hat die Gemeinde mit den Apoſteln nicht überſehen; denn als nun die Diakonen gewählt wurden, waren es Philippus, ein Helleniſt, Prochorus, ein Helleniſt — kurz, lauter Männer von der Partei, in der das Mißtrauen Platz gegriffen hatte, um ihnen zu zeigen, daß dasſelbe unberechtigt und man ernſtlich bemüht ſei, allen brüderlich gerecht zu werden. Da ſehen wir, wie ſorgfältig und fein die Gemeinde in der Einrichtung dieſer freien Dinge auf die Verhältniſſe Bedacht genommen hat, wie ſie in jener Gemeinde gerade obwalteten. Aus dieſer Stelle geht aber noch ein weiterer wichtiger Punkt ſehr deutlich hervor, daß nämlich auch die freien äußerlichen Einrichtungen der Gemeinde im Grunde dazu da ſind, und dem Zwecke dienen ſollen, daß die Aufgabe der Gemeinde erfüllt werde. Die Apoſtel ſagten nämlich, nachdem ſie empfohlen hatten, ſolche Männer zu wählen: „Wir aber wollen anhalten am Gebet und am Amt des Worts.“ Apoſt. 6, 4. Um den