# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 42 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung möchten in Anſpruch nehmen, nämlich wie es in andern Gemeinden zugeht. Die Ortsgemeinde ſoll wiſſen, wo ſie in den von Gott, dem HErrn, ſelbſt geordneten und feſtgeſetzten Stücken eine Praxis übt, da übt ſie ſolche Praxis dem HErrn und im Gehorſam gegen Gottes Wort. Nur ſo wird ſie auch die rechte Freudigkeit und Feſtigkeit haben, wenn ſie weiß: Wir ſtehen hier auf Gottes Wort; wir gehen einher im Gehorſam gegen unſern König und HErrn; wir ſtehen hier gegen den Teufel und ſein ganzes Reich, und wenn wir gegen die allermeiſten Gemeinden ſtänden, ſo haben wir doch die Majo⸗ rität, denn Chriſtus iſt mit uns. Es gilt nun aber auch von der freien Praxis, daß, da die Gemeinde zunächſt als Ortsgemeinde in Betracht kommt, die Ortsgemeinde ſich zunächſt darüber klar werden muß, was göttlich geordnet und was dem freien Er⸗ meſſen der Gemeinde anheimgegeben iſt. Die Ortsgemeinde muß zunächſt einmal für ſich ſauber unterſcheiden lernen, was ſein ſoll, und was ſein darf. Sie muß zunächſt feſthalten, daß ſie als Ortsgemeinde für ihre Glieder keine Geſetze machen kann. Sie kann nur Ordnungen aufrichten, freie Ordnungen, aber keine Geſetze machen. Sie überſchreitet ihre Befug⸗ niſſe, ſobald ſie ſich zu einer geſetzgebenden Körperſchaft aufwirft. Sie iſt nicht ein geſetzgebender Körper; ſie iſt nicht eine politiſche Volksverſamm⸗ lung mit geſetzgeberiſcher Gewalt. In ihr gilt aber auch nicht eine Ariſto⸗ cratie; auch eine Prieſterherrſchaft ſoll ſie ſich nicht gefallen laſſen, ſoll auch das nicht hingehen laſſen, daß ihr ſolche, die im Pfarramt ſtehen, Ord⸗ nungen als Geſetze auflegen; und wenn es eine ganze Paſtoralconferenz oder eine Synode wäre, ſo ſoll ſie doch wiſſen: Hier für unſere Glieder, für die, die uns angehören, müſſen wir ſorgfältig die Freiheit bewahren, mit der uns Chriſtus befreiet hat, und kein knechtiſches Joch uns auf den Hals legen laſſen. Aber ferner darf die Ortsgemeinde nicht vergeſſen, daß Freiheit nicht Willkür oder Unvernunft iſt. Die Chriſten ſind vernünftige Menſchen, die ihr Thun und Laſſen mit Verſtand und Weisheit einrichten ſollen, wie es am zweckmäßigſten iſt. Da ſollen denn wieder zunächſt die Umſtände der einzelnen Ortsgemeinde maßgebend ſein. Ein Vorbild deſſen haben wir an der Gemeinde zu Jeruſalem. Da waren zunächſt Lehrer und Hörer. Das ſollte ſo ſein; das hatte der HErr Chriſtus geordnet; das hing nicht von be⸗ ſondern Umſtänden ab. Aber es waren auch beſondere Zuſtände da. Da waren die Apoſtel inmitten der Gemeinde und dienten als Lehrer. Sie waren als Apoſtel nicht die Ortspaſtoren dieſer Gemeinde; aber da ſie nun noch in Jeruſalem waren und die Gemeinde dieſe hohe Gabe erkannte, hat ſie die Apoſtel als Prediger und Lehrer mit hohen Freuden dankbar an⸗ genommen. Es war aber dies eine Gemeinde, die vom erſten Tage ihres Beſtehens an als eine ecclesia pressa lebte. Bei den erſten Predigten fing es an; die Feindſchaft kam in Worten zu Tage, wie in der Spottrede: „Sie ſind voll ſüßes Weins“; und nicht lange darauf machte ſie ſich auch