# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung darauf gerichtet, immer wieder dahin gewirkt, daß ja nicht das, was Gott geſagt und geſetzt hat in Abſicht auf unſer kirchliches Leben, außer Acht ge⸗ laſſen oder geſetzt werde. Und ferner: Wo die kirchliche Praxis auch ein⸗ mal eine Mißachtung erfährt, auch dieſe Sünde vorkommt, da wird wieder dafür geſorgt, daß daraus nicht ein beharrliches Feſthalten an ſchriftwidriger Praxis folge. Wir haben den Fall jetzt in der Synodalconferenz. Da iſt uns vorgetragen worden, wie es betreffenden Orts mit der Praxis recht mangelhaft, ja, verkehrt ſtehe und gehe. Was haben wir gethan? Sofort wurden Schritte gethan, daß, falls es da wirklich ſo ſteht, Wandel geſchafft werde, und zwar iſt das nicht auf die lange Bank geſchoben worden, ſon⸗ dern es ſoll allen Ernſtes ſo ſchnell als möglich dafür geſorgt und dahin ge⸗ wirkt werden, daß es damit anders werde. Aber es könnte ferner jemand uns an den ſiebenten Artikel der Augs⸗ burgiſchen Confeſſion erinnern. Da ſteht, als in unſerm eigenen Bekennt⸗ niſſe: „Denn dieſes iſt genug zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kirchen, daß da einträchtiglich nach reinem Verſtand das Evangelium geprediget und die Sacramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und iſt nicht noth zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kirchen, daß allenthalben gleich⸗ förmige Ceremonien, von den Menſchen eingeſetzt, gehalten werden, wie Paulus ſpricht Eph. 4: Ein Leib, ein Geiſt, wie ihr berufen ſeid zu einerlei Hoffnung eures Berufs, ein HErr, ein Glaube, eine Taufe.“ Gehen wir nicht über dieſen Artikel unſers Bekenntniſſes hinaus mit unſerer Forderung z. B. an das General Council, indem wir darauf beſtehen, daß auch die Praxis der Lehre conform werde? Antwort: Nein. Wir ſtehen auch mit dieſer Forderung ganz und voll auf dem Grunde unſers lutheriſchen Be⸗ kenntniſſes. Denn das Bekenntniß ſagt nicht: „Es iſt genug . . . daß im Großen und Ganzen das Evangelium gepredigt werde“, ſondern: „daß da einträchtiglich nach reinem Verſtande das Evangelium gepredigt werde“. Nach reinem Verſtande das Evangelium predigen heißt aber zunächſt und an erſter Stelle und vor allem andern, es predigen als Gottes Wort und Wahrheit, daß, wer es redet, es redet als Gottes Wort. Das Evan⸗ gelium nach dem reinen Verſtande predigen heißt nicht, dogmatiſche Vor⸗ träge halten und es jedem anheimgeben, ob er ſich darnach halten will oder nicht, ob er es glauben will oder nicht, wie ein Rationaliſt, ein De Wette z. B., die lutheriſche Dogmatik vorträgt oder vorzutragen meint. Der Hei⸗ land ſagt auch nicht zu ſeinen Jüngern: Lehret ſie alles, was ich euch be⸗ fohlen habe. Das wäre auch recht; das ſollen wir auch thun, ſollen die Lehre vortragen, die Chriſtus, der HErr, ſeiner Kirche gegeben hat. Aber er ſagt in ſeinem Auftrage an ſeine Kirche: Lehret ſie halten alles, was ich euch befohlen habe; wenn ihr lehret, da ſollt ihr nicht bloß die Dog⸗ matik vortragen, die Lehrſtücke, wie ich ſie euch gegeben habe und wie ich ſie euch geben will; ſondern ihr ſollt das, was ihr vorbringt, als das Ge⸗ wiſſen aller Menſchen und inſonderheit aller Gläubigen bindend, als göttliche