# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 31 Praxis ganz verrottet ſein. Wie ſteht es im Council? Was haben ſie da von den Vier Punkten nicht alles zu Papier gebracht! Sie haben ſich aber wohl gehütet, in der Darſtellung der Grundſätze zu deutlich zu werden. Es iſt gar nicht ſo, daß im Council officiell in Abſicht auf dieſe Stücke auch nur eine klare Lehre geführt würde. Die ganze Geſchichte der Vier Punkte beweiſt, daß in jedem Stadium der Entwickelung dieſes Streites man immer beſorgt geweſen iſt, ja nicht zu deutlich zu reden. Wenn man endlich eine Form hatte, von der die meiſten meinten, ſie ginge durch, daß man wiſſen könne, wie es mit den Vier Punkten ſteht, ſo ſorgten gewiſſe Leute dafür, daß die Formel geändert wurde, ſo, daß ſie ſie annehmen konnten. Es iſt alſo erſtens nicht wahr, daß man im Council klar und deutlich geſagt hätte, wie es mit dieſen Stücken der Praxis gehalten werden ſolle; und es iſt zweitens nicht wahr, daß man dann nach dem, was recht iſt, auch practi⸗ cirte, daß z. B. durch das ganze Council hin die Leute in Kirchenzucht ge⸗ nommen würden, wenn ſie zur Loge gehen ꝛc. Man muß ſich nicht täuſchen laſſen durch Redensarten, die nicht einmal die Probe der Geſchichte aus⸗ halten. Summa: Wenn wir zu beurtheilen haben, wie es mit der Praxis in einer Kirchengemeinſchaft ſteht, ſo wollen wir nicht nur hören, was ſie lehren, ſondern wir wollen ſehen, was ſie thun. Und wenn wir da ver⸗ kehrte Dinge ſehen, und ſie immer wieder ſehen, auch nach allem Lehren und Ermahnen, da ſagen wir: Ihr haltet feſt an falſcher Praxis, an ungött⸗ lichem Weſen; thut dieſe verleugneriſche Praxis erſt ab, dann wollen wir zuſammengehen, wenn ihr dann auch in der Lehre recht ſteht. Nun könnte man freilich den Einwurf zu hören bekommen: Ihr ſcheint mit euren Theſen in donatiſtiſche Bahnen zu gerathen; ihr wollt das Leben in der Kirche, und zwar das Leben in der Gemeinde, ja, die Vollkommenheit des Lebens zum Kennzeichen der wahren Kirche machen. Darauf antworten wir: Mit unſerer Theſis kommen wir nicht auf donatiſtiſche Sprünge, denn ſie lautet nicht: „Sofern die Abweichung von der göttlichen Norm in der kirchlichen Praxis zeigt, daß dem kirchlichen Leben noch Mängel an⸗ haften“ — ſondern ſie ſagt: „ſofern in der Mißachtung der göttlichen Norm in der kirchlichen Praxis eine offenbare Verleugnung der Wahrheit liegt.“ Wir wiſſen gut genug, daß es mit dem Leben, ja, daß es auch mit der Praxis, mit den Verrichtungen des kirchlichen Lebens als ſolchen nicht nur in andern Kirchengemeinſchaften, ſondern auch bei uns noch mangelhaft hergeht, daß da nicht alles vollkommen iſt, ja, daß wir's zur Vollkommen⸗ heit auch nicht bringen werden. Und wir würden uns ſelbſt den Ruhm der rechten Kirche abſprechen, der wahren ſichtbaren Kirche Gottes auf Erden, wenn wir die Vollkommenheit des kirchlichen Lebens, die Vollkommenheit der kirchlichen Praxis wollten zur nota, zum Kennzeichen der wahren, ſicht⸗ baren Kirche machen. Hingegen das können wir von uns behaupten, daß bei uns die göttliche Norm der kirchlichen Praxis nicht mißachtet wird; ſon⸗ dern es wird immer wieder die Aufmerkſamkeit der Prediger und Zuhörer