# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 29 auch verleugnen vor meinem himmliſchen Vater.“ Eine Verleugnung der Wahrheit iſt jede falſche Lehre, und darum ſagt der Apoſtel auch, Röm. 16, 17.: „Ich ermahne euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen.“ Alſo die falſche Lehre iſt kirchen⸗ trennend. Die falſche Kirche ſollen wir nicht unterſtützen, nicht anerkennen, ſondern meiden. Aber die Verleugnung der Wahrheit kann auch anders geſchehen als mit Worten, kann auch mit Werken geſchehen. In der alten Kirche hat man inſonderheit „Confeſſores“, Bekenner genannt nicht ſolche, welche etwa mit Worten das Glaubensbekenntniß hergeſagt hätten und darum Bekenner genannt worden wären, ſondern diejenigen, welche in der Verfolgung dadurch mit der That bekannten, daß ſie ſich um ihres Glau⸗ bens willen einkerkern, verbannen, mit allerlei Martern belegen ließen und ſtandhaft blieben. Zwar es kam vor, daß Chriſten meinten: O wenn ich nicht Chriſto fluche, — denn das war eine ſtehende Forderung in den Chriſtenproceſſen, daß ſie ſollten Chriſtum verfluchen — wenn ich nicht alſo mit Worten meinen Glauben verleugne, habe ich nicht verleugnet. Es wurde ihnen eben vielfach äußerlich leicht gemacht zu verleugnen; ſie konnten an irgend einer Straßenecke, wo ein Götzenbild ſtand, eine Priſe Weihrauch in ein Flämmchen ſtreuen, und das etwa vor Zeugen thun; das genügte; damit hatten ſie ſich bis auf Weiteres gegen Verfolgung ſicher geſtellt und brauchten kein Wort zu ſagen. Aber der, der die Priſe Weihrauch geſtreut hatte, hatte verleugnet, ebenſo wie der, der Chriſto fluchte, hatte ſich damit losgeſagt von Chriſto; denn man kann nicht Gott und dem Teufel dienen, und was ſie opferten vor den Götzen, das opferten ſie den Teufeln. Ein ſolcher Menſch hatte ſich ebenſo entſchieden von Chriſto und ſeiner Wahr⸗ heit losgeſagt, wie irgend einer, der öffentlich das Evangelium verfluchte und verläſterte, und wurde von den wahren Chriſten auch ſo behandelt. Und ſo ſagt ſich derjenige, welcher beharrlich ſchriftwidrige Praxis übt, ebenſo von der göttlichen Wahrheit los wie derjenige, welcher der ſchriftwidrigen Praxis das Wort redet und alſo falſche Lehre führt, ob er gleich dabei an⸗ erkannt ſein will als ein Chriſt und zwar als ein rechtgläubiger Chriſt. Denn was ſagt er damit anders als: Was ich thue, iſt recht. Und wenn ihm geſagt wird: Aber Gottes Wort ſagt ſo — dann wird er entweder ſagen müſſen, um nicht mit ſich ſelbſt in Widerſpruch zu ſtehen: Das ver⸗ ſteht ihr falſch; das iſt gar nicht die Lehre göttlichen Worts; iſt gar nicht die Norm, nach der wir handeln müſſen; das iſt gar nicht wahr, was ihr aufſtellt. Dann leugnet er etwas, was Gott geſagt hat, ſagt Nein zu dem, was Gott bejaht, oder bejaht das, was Gott verneint. Das iſt falſche Lehre. Oder aber er wird ſagen müſſen: Nun, mag das in der Schrift ſtehen; das bindet mich nicht; ich richte mich darnach nicht; ich kann mich darnach nicht richten; ich werde mich darnach nicht richten. Da iſt er offen⸗ bar ungehorſam dem Worte der Schrift und ſtellt wieder in Abrede, daß