# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung und eben von ſich bekennen, daß ihnen in dieſem Stücke das fehlt, was ſie haben ſollten, und wonach ſie ſtreben ſollten. Es iſt ein gar gefährlich Ding, daß man die verkehrte Praxis dulden will. Die verkehrte Praxis iſt nicht zu dulden, ſondern zu bekämpfen, und zu bekämpfen auf allen Pfaden und an der ganzen Linie, wo man immer kann. Es kommt nie eine Zeit, da der Kampf gegen die verkehrte Praxis aufhören darf. Die verkehrte Praxis allerdings pflegt, wie die falſche Lehre, zuerſt demüthig zu bitten um Duldung; aber ſie hat nicht vor, dabei zu bleiben. Das nächſte, was ſie verlangt, iſt Berechtigung, wenn auch Berechtigung an zweiter Stelle. Das folgende, was ſie beanſprucht, iſt Gleichberechtigung, und was ſie ſchließlich beanſprucht, iſt Alleinberechtigung. Das iſt der Weg, den falſche Lehre und Praxis zu durchmeſſen pflegt, und erſt wenn ſie Alleinberechtigung hat, iſt die falſche Praxis zufrieden, wie die falſche Lehre auch. Und ſo nimmt denn auch die rechte, göttlich vorgeſchriebene Praxis, wie die reine Lehre, nur da die rechte Stellung ein, wo ſie alleinberechtigt iſt, ſobald wir es nämlich zu thun haben mit dem, was in Gottes Wort normirt iſt. Wie die Lehre allein Lehre des Wortes Gottes iſt, ſofern ſie als reine Lehre auf⸗ tritt, und nur dann als reine Lehre anerkannt zu werden verdient, wenn ſie Lehre des Wortes Gottes iſt, ebenſo ſtellt ſich's mit der Praxis. Nun aber wird uns ein andrer Einwurf gemacht. Man ſagt: Eure Forderung geht zu weit, wenn ihr verlangt, daß diejenigen, mit welchen ihr in glaubensbrüderlicher, kirchlicher Gemeinſchaft ſtehen wollt, auch in der Praxis richtig ſtehen; ihr geht zu weit, wenn ihr, während ihr mit Recht falſche Lehre als kirchentrennend behandelt, auch die falſche Praxis ſchrift⸗ widrig als kirchentrennend behandelt; daß die Lehre rein, und zwar gold⸗ rein ſein muß, iſt richtig, aber das Leben iſt ja im perſönlichen Chriſtenleben mangelhaft, das wird auch im kirchlichen Leben, im Leben der Kirche und ihrer Glieder mangelhaft bleiben; und darum greift ihr zu hoch, wenn ihr als Teſt der kirchlichen Zugehörigkeit, der Glaubensbrüderſchaft, auch die Praxis aufſtellt. Darauf antworten wir: Wenn wir das könnten nach Gottes Wort, daß wir euch dies einräumten, wie gern wollten wir's thun! Ja, noch mehr: An dem Tage, an welchem ihr uns zeigt und beweiſt aus der Schrift, daß wir zu weit gehen, wenn wir auch alle beharrlich feſt⸗ gehaltene ſchriftwidrige Praxis als kirchentrennend behandeln, ſo ſoll uns Gott vor der Sünde bewahren, daß wir euch auf dieſen Grund hin die kirchliche Gemeinſchaft verſagen; dann wollen wir ſofort bekennen: Wir haben geſündigt, ſchwer geſündigt, die ganzen langen Jahre her, daß wir die brüderliche Gemeinſchaft, die kirchliche Anerkennung euch verſagt haben. Aber ſie werden es bleiben laſſen, uns das zu beweiſen; ſondern wir werden dabei bleiben, daß das beharrliche Feſthalten an falſcher Praxis kirchentrennend iſt. Denn unſer Heiland ſagt: „Wer mich bekennet vor den Menſchen, den will ich auch bekennen vor meinem himm⸗ liſchen Vater; wer mich aber verleugnet vor den Menſchen, den will ich