# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 27 Theſis IV. Sofern in der Mißachtung der göttlichen Norm in der kirchlichen Praxis eine offenbare Verleugnung der Wahrheit liegt, iſt das beharrliche Feſthalten an ſchriftwidriger Praxis ebenſo wie das Feſthalten an falſcher Lehre kirchentrennend. Die vorige Theſis hat beſonderen Nachdruck darauf gelegt, daß die von Gottes Wort normirte Praxis nur Eine ſein kann, daß nicht zweierlei ſich Widerſprechendes in Abſicht auf dasſelbe und in derſelben Beziehung richtig ſein kann. Es gibt nie eine Zeit und gibt nirgends einen Ort, wo es richtig, ja, ſogar geboten wäre, die Ausübung der von Gott gebotenen kirchlichen Praxis zu unterlaſſen. Es gibt keine Gemeinde, die entbunden wäre von dem Worte: „Thut von euch ſelbſt hinaus, wer da böſe iſt.“ Es gibt keine Gemeinde, der das Wort nicht gälte: „Höret er die Gemeinde nicht, ſo haltet ihn als einen Heiden und Zöllner.“ Es kann deshalb keine Gemeinde ſagen: Wir leben in ſolchen Verhältniſſen, daß für uns dieſes Wort ſeine Anwendung nicht findet, ſo daß nun die Gemeinde ſich beruhigen könnte bei dem Unterbleiben der Kirchenzucht in ihrer Mitte. Sondern nur der Fall kann eintreten, und tritt ein, daß in einer Gemeinde ſo wenige ſind, die die rechte Erkenntniß der göttlichen Norm haben, oder den rechten Willen, ſich nach derſelben zu richten, daß eben die Wenigen nicht durch⸗ dringen können, daß vielleicht der Paſtor allein ſteht, und der iſt nicht die Gemeinde und kann eben nun nicht das Wort, das allerdings auch dieſer Gemeinde gilt, zur rechten Geltung und Ausführung bringen. Aber ſein Ziel muß nun dieſes ſein, wo möglich jeden Tag ein Stück dem näher zu kommen, wo möglich bei jeder Gelegenheit dahin zu wirken, daß zunächſt ein⸗ mal einer, und dann noch einer, und dann etwa der Vorſtand, und ſo immer mehr zu der rechten Erkenntniß kommen und von dem rechten Willen beſeelt ſind, nun auch nach dieſer Erkenntniß zu handeln. Da muß die Gemeinde erzogen werden, und will ſich eine Gemeinde nicht erziehen laſſen, ei, ſo hält ſie eben feſt an dem ſchriftwidrigen, verkehrten Weſen, das in ihrer Mitte im Schwange geht. Dasſelbe gilt von der Synode und von einer Ver⸗ bindung von Synoden. Wenn uns geſagt wird: Wir öſtlichen Synoden ſind eben ganz anders ſituirt, als ihr weſtlichen Synoden; wir müſſen zu⸗ frieden ſein, wenn wir die rechte Lehre haben, und daß es eben bei uns in der Praxis nicht ſo ſteht und nicht ſo ſtehen kann, wie bei euch, das liegt an unſern Verhältniſſen, die ihr nicht verſteht — ſo iſt das ganz verkehrt ge⸗ redet. Die müßten keineswegs ſchon zufrieden ſein, wenn ſie die rechte Lehre haben; ſie müßten höchſt unzufrieden ſein mit ſich ſelbſt und ihrem kirchlichen Thun, ſo lange ſie nicht auch die rechte Praxis haben. So lange es in irgend einem Stücke der Praxis bei ihnen fehlt, ſo lange müßten ſie in dieſem Stücke und in dieſem Grade über ſich traurig und betrübt ſein