# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung Daß aber die in Gottes Wort normirte Praxis überall in der Kirche befolgt werden ſoll und für alle Zeit, ergibt ſich auch aus dem Weſen der Kirche als der Gemeinde der Gläubigen und Heiligen. Das iſt die Kirche zu allen Zeiten. Wer die Kirche zu irgend einer Zeit der Sache nach an⸗ ders definirt, der definirt ſie falſch; der beſchreibt nicht die Kirche, ſondern irgend ein ander Ding, in ſeinen Gedanken zurecht gemacht, vielleicht die Pabſtſynagoge, aber nicht die Kirche Chriſti. Nun ſagt von den Gläubigen ſchon der Pſalmiſt: „Wenn du mein Herz tröſteſt, ſo laufe ich den Weg deiner Gebote.“ Eine Gemeinde, deren Herzen getröſtet werden mit dem Evangelium, die alſo das Evangelium hören und den Troſt des Evange⸗ liums im Glauben aufnehmen, eine ſolche Gemeinde läuft dann auch den Weg der Gebote Gottes, auch als Gemeinde, auch in ihrem kirchlichen Leben als ſolchem, auch in ihrer kirchlichen Praxis. Das ergibt ſich ferner aus dem Umſtand, daß das Haupt der Kirche aller Zeiten und aller Orte eins iſt, nämlich Chriſtus, das eine Haupt der Kirche, und dieſes eine Haupt regiert den ganzen Leib. Dies eine Haupt beſtimmt alle Glieder, und wenn nun dieſes eine Haupt in ſeinem unwandelbaren Worte kund gethan, wie es gehalten werden ſoll in ſeiner Kirche, ſo würde es heißen, in Wider⸗ ſpruch mit dem Haupte des Leibes treten, wenn der Leib nicht wollte nach dieſem kundgethanen Willen ſein kirchliches Leben einrichten. Der Heiland ſagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“; und ſo wie die Kirche aller Zeiten an allen Orten die Gemeinde der Schafe Chriſti iſt, ſo gewiß wird nun auch die Gemeine aller Zeiten an allen Orten als Sammlung der Schafe Chriſti ſeine Stimme hören, auch wo die Stimme des Hirten laut wird in Abſicht auf das kirchliche Leben als ſolches, in Abſicht auf kirchliche Praxis. Und das ſagt er auch ausdrücklich: „Sie folgen mir.“ Damit iſt ſchon auch dies gegeben, wie die Schriftgemäßheit der Praxis zu erzielen ſei: ſo, daß die Schafe des Hirten Stimme hören. „Lehret ſie halten, ꝛc.“ Er ſagt nicht: Zwingt ſie zu halten, ſondern: Lehret ſie halten. Das iſt die Aufgabe derer, welche in der göttlich beſtimmten kirch⸗ lichen Praxis beſſern wollen, wo Mängel ſind. Und zwar ſollen die Predi⸗ ger, ſollen alle, denen das Gebot gegeben iſt: „Lehret!“ dieſe Pflicht aus⸗ üben und die Gemeinde, die Völker, diejenigen, welche zu Jüngern gemacht ſind oder gemacht werden, lehren als von Gottes wegen, daß das eben die Ausübung des göttlichen Befehls iſt: Lehret ſie halten alles, was ich euch befohlen habe. Nicht alſo ſoll man die Chriſten lehren als auf Chriſti Be⸗ fehl halten, was Chriſtus ihnen nicht geboten hat; ſondern man ſoll ihnen des Hirten Stimme zu Ohren und zu Herzen ſchallen laſſen und ſo ſie dahin bringen, daß ſie nun halten alles, was Chriſtus ſeiner Kirche befohlen hat in ihrem perſönlichen Leben, in ihrem Familienleben, in ihrem kirchlichen Leben, ſoweit es ſich im engeren Kreiſe vollzieht, und auch im kirchlichen Leben als ſolchem, nämlich in der kirchlichen Praxis. Hier wurde Theſis III angenommen.