# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung gläuben, lehren und bekennen, daß die Gemeine Gottes jedes Orts und jeder⸗ zeit nach derſelben Gelegenheit Macht habe, ſolche Ceremonien zu ändern, wie es der Gemeine Gottes am nützlichſten und erbaulichſten ſein mag.“ In der Solida Declaratio, Art. X: „Dann hie iſt es nicht mehr um die äußer⸗ lichen Mitteldinge zu thun, welche ihrer Natur und Weſen nach für ſich ſelbſt frei ſein und bleiben, und demnach kein Gebot oder Verbot leiden mögen, dieſelbigen zu gebrauchen, oder zu unterlaſſen.“ M., S. 700. Alſo hier werden die Mitteldinge, und zwar die kirchlichen Mitteldinge (denn von denen iſt in der Concordienformel die Rede; die ſogenannten Luſt⸗Mitteldinge kamen erſt ſpäter in der Pietiſtenzeit zur polemiſchen Er⸗ örterung in der Kirche) als ſolche beſchrieben, „welche ihrer Natur und Weſen nach für ſich ſelbſt frei bleiben“ ꝛc. Und zwar ſoll das Recht, und die Möglichkeit, in dieſen freien Dingen zu ordnen und zu ändern und zu beſſern ja nicht unterſchätzt werden. So wenig wir es in der Kirche leicht⸗ fertig gebrauchen ſollen, ſo wenig ſollen wir dieſes Recht der chriſtlichen Gemeinde, in dieſen von Gott freigelaſſenen Dingen zu ordnen, zu ändern, und zu beſſern, leichtfertig preisgeben. Warum das nicht geſchehen ſoll, darauf führt uns eine ſpätere Theſis. Zu dieſen in Gottes Wort nicht normirten Stücken kirchlicher Praxis gehören nun ſolche Dinge wie Sabbath, Sonntagsfeier als ſolche, als Feier dieſes oder irgend eines beſtimmten Tages; ferner ſolche Handlungen wie die Confirmation, die Ordination der Prediger, die Ceremonien im Gottes⸗ dienſt; Chorrock, Lichter, Crucifix. Dazu gehören aber auch unweſentliche Stücke in denjenigen gottesdienſtlichen Handlungen, welche allerdings in Gottes Wort normirt ſind; z. B. in der Abendmahlsfeier die Präfation, die Anordnung einzelner Stücke, wie ob das Vaterunſer vor oder nach der Conſecration geſprochen wird; ſo bei der Predigt, ob die von der Kanzel gehalten wird, oder am Altar; ob der Prediger ſeinen Text vor Anfang der Predigt oder nach der Einleitung lieſt; ob das allgemeine Kirchengebet in irgend einer beſtimmten Form geſprochen wird, und ob es auf der Kanzel geleſen, oder am Altar, oder in Form der Litanei mit dem mündlichen Zu⸗ ſammenwirken des Paſtors und der Gemeinde verrichtet wird. In all dieſen Stücken hat Gottes Wort der Kirche keinerlei Vorſchriften gegeben, wonach ſie ſich richten müßte. Und wer der chriſtlichen Kirche, irgend einer Ge⸗ meinde da ein Geſetz auferlegt, der ſchwingt ſich auf Gottes Thron, ja, über denſelben; der maßt ſich etwas an, wozu nur Gott ein Recht hat. Denn nur Gott hat das Recht, ſeiner Kirche Geſetze zu geben. Die Kirche iſt nicht eine Demokratie, ſondern eine abſolute Monarchie, da der Wille des Königs Geſetz iſt, und nichts anderes. Die Obrigkeit kann Geſetze machen; warum? Weil der König aller Könige, der Herr Himmels und der Erden ihr das Recht eingeräumt, ihr dieſes Stück Majeſtät verliehen hat. Die Kirche aber kann keine Geſetze machen, weil ihr König ihr dies Recht nicht eingeräumt hat, und es iſt eine Inſurrection, eine Erhebung