# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung bekannt ſind. Da muß es dem freien Ermeſſen anheimgeſtellt werden, ob man nicht doch noch erſt einen guten Freund zu dem ſündigenden Bruder ſchicken will; die Norm, daß es ſo gehalten werden müſſe, ſtreckt ſich nicht auf dieſe Fälle, ſondern da gilt das Wort: „Welche ſündigen, die ſtrafe vor allen, auf daß ſich auch die andern fürchten“, und: „Thut von euch ſelbſt hinaus, wer da böſe iſt.“ Wer ſchon als böſe offenbar und erkannt iſt, ſoll öffentlich geſtraft und, wo er böſe bleibt, hinausgethan werden. — So haben wir alſo unſere Kirchenzuchtspraxis im göttlichen Worte klar und beſtimmt nach jeder Seite hin normirt. Daß wir Prediger berufen und das Predigtamt inmitten der Gemeinde aufrichten und erhalten, iſt ein Stück kirchlicher Praxis. Es gibt ſogenannte Kirchen, die haben das nicht, z. B. die Quäker u. a., die auf ihr allgemeines Prieſterthum in verkehrter Weiſe pochen und ſagen: „Wir ſind alle Prediger, und jeder ſoll reden, wie es ihm der Geiſt eingibt.“ Dann warten ſie darauf, ob einer den Geiſt kriegt, kriegen wohl auch den Geiſt (und der iſt dann auch darnach!); oder es kriegt ihn keiner, und es gibt keine Predigt; ſie erheben ſich von ihren Bänken, gehen heim und ver⸗ meinen wunder, was ſie für große Geiſtliche ſeien — und iſt doch ein ganz verkehrtes, ſelbſterwähltes, ungöttliches Ding. Denn der HErr hat in Ab⸗ ſicht auf die öffentliche Predigt eine Ordnung gemacht, wonach wir unſere Anordnungen treffen und das verrichten und einrichten ſollen, was in Abſicht darauf nach dieſer Norm verrichtet und eingerichtet werden ſoll. Wir ſollen Prediger berufen und ſollen dieſe Prediger als Prediger hören, ſollen ſie als ſolche halten, welche ſich vom Evangelium nähren ſollen, und ſollen ſie zwie⸗ facher Ehre werth halten, als die da arbeiten am Wort und an der Lehre; ſollen, wenn Gott uns einen Prediger nimmt, den er uns gegeben hat, nicht warten, daß er einen andern vom Himmel fallen laſſe, ſondern ſollen uns nach einem andern umſehen, und wenn wir merken, der iſt ſchwer zu kriegen, ſollen wir aufs neue daran denken, daß wir, um Prediger und Lehrer zu haben, auch darauf ſehen und dahin ſorgen müſſen, daß ſolche ausgebildet werden. Es iſt nicht ein freies Ding, daß es uns überlaſſen bliebe, ob wir dahin wirken wollen, daß treue, gottſelige und geſchickte Lehrer und Prediger in der Kirche ſind. Das hängt zuſammen mit der göttlichen Norm, die Chriſtus, der HErr, ſelbſt in Abſicht auf die öffentliche Verkündigung ſeines Wortes für alle Zeiten geſtiftet hat. In Gottes Wort normirt iſt die Praxis, wie ſie bei uns geübt wird, auch in Abſicht auf den Eheſtand, die Eheſchließung, die Eheführung und die Eheſcheidung. Die Ehe iſt zwar ein bürgerlicher Stand und gehört als ſolcher Stand nicht dem kirchlichen, ſondern dem bürgerlichen Leben an. Aber die Ehe wird in unſerer Kirche von der Gemeinde durch die Ver⸗ richtung ihres Paſtors und vielfach durch die Verſammlung eines großen Theiles der Gemeinde bei der Eheſchließung unter den Augen der Gemeinde und unter Mitwirkung der Gemeinde geſchloſſen, und ſo tritt dieſer Stand,