# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung abgefeuert zu haben; dennoch iſt der Mord ſein Werk, eine ſündhafte That. Alſo in dieſem Sinne iſt hier von Verrichtungen die Rede: Alles, was die Kirche in kirchlichen Angelegenheiten ins Werk ſetzt, ſei es durch Thun oder Laſſen, iſt ihre kirchliche Praxis. Die erſte Theſis wurde hierauf angenommen. Theſis II. Die kirchliche Praxis iſt theils durch Gottes Wort normirt, theils dem freien Ermeſſen der chriſtlichen Gemeinde anheim⸗ gegeben. Wir leſen Gal. 2, 11—14.: „Da aber Petrus gen Antiochien kam, widerſtund ich ihm unter Augen; denn es war Klage über ihn kommen. Denn zuvor, ehe etliche von Jacobo kamen, aß er mit den Heiden; da ſie aber kamen, entzog er ſich, und ſonderte ſich, darum, daß er die von der Be⸗ ſchneidung fürchtete.“ Da hat man verkehrtermaßen geſagt: „Hier haben wir alſo einen Apoſtel, der auch in Irrthum gerathen war.“ Ja, der irrende Petrus zu Antiochien wird gar gerne ins Feld geführt als ein Beweis für die Irrthumsfähigkeit der heiligen Schrift, während ja doch Paulus fortfährt: „Er aß mit den Heiden.“ So lange Eſſen nicht das⸗ ſelbe iſt wie Lehren, haben wir hier nicht den in der Lehre, ſondern den durch ſein Eſſen irrenden Petrus vor uns. „Und heuchelten mit ihm die andern Juden, alſo daß auch Barnabas verführet ward, mit ihnen zu heucheln. Aber da ich ſahe, daß ſie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangelii, ſprach ich zu Petro vor allen öffentlich: So du, der du ein Jude biſt, heidniſch lebeſt und nicht jüdiſch, warum zwingeſt du denn die Heiden, jüdiſch zu leben?“ Da iſt wieder nicht ge⸗ ſagt, daß Petrus die andern Juden zu einer falſchen Lehre verführt habe, ſondern zu einem Stücke ungöttlichen Lebens, zum Heucheln. Und auch Barnabas ward nicht verführt in einen Irrthum der Lehre, ſondern „mit ihnen zu heucheln“. Es handelte ſich alſo hier um ein Stück des Lebens, nicht um ein Stück der Lehre. Die Lehre wußte Petrus gut genug, ja, er war durch den Heiligen Geiſt ein unfehlbarer Lehrer der Chriſtenheit. Aber im Leben fehlte er hier. Und zwar handelt ſich's hier um ein Stück kirch⸗ lichen Lebens, um ein Stück des Lebens, das auch für die ganze Kirche beſonders jener Tage von hoher Bedeutung war. Es handelte ſich um das richtige Verhalten, das richtige Thun und Laſſen der damaligen Chriſten und Chriſtengemeinden in Abſicht auf gewiſſe Stücke, von denen nicht alle damaligen Glieder der Chriſtengemeinden zur Zeit noch die gleiche Erkennt⸗ niß hatten; in Abſicht auf welches zwar ein jeder die rechte Erkenntniß haben konnte, aber viele noch ſchwach waren. Hätten nun Petrus und Barnabas allein in dieſem Stück gefehlt, ſo könnte man ihr verkehrtes