# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S289 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang IV. October 1858. No. 10. Was versteht man jetzt unter Fortentwicklung der Lehre der lutherischen Kirche? „Was lehrt Herr Professor Dr. Thomasius in Erlangen im zweiten Theile seiner Dogmatik von der Person des HErrn JEsu Christi im Stande der Erniedrigung? Ein Sendschreiben von A. Brömel, Superintendenten des Herzogthums Lauenburg, Consistorialassessor und Pro⸗ fessor. Schwerin, 1857. Verlag der Stiller'schen Hofbuchhandlung.“ (47 Seiten in 8.) Dies ist der Titel eines Schriftchens, welches kein lutherischer Prediger ungelesen lassen sollte. Prof. Dr. Thomasius gilt für den noch treuesten lutherischen Professor der Theologie in Deutschland. Es ist daher ohne Zweifel höchst wichtig, den Standpunkt kennen zu lernen, den derselbe zur Theologie der alten lutherischen Kirche einnimmt. Man kommt damit zu einem Urtheile darüber, wie weit man überhaupt von Seiten un⸗ serer Theologen von Profession wieder zur alten Theologie zurückgekehrt und was daher von ihnen für die Zukunft unserer Kirche zu erwarten ist. Da es nun aber gerade hier vielen Predigern, die das innigste Interesse nehmen an dem Heile der Kirche, an pecuniären Mitteln fehlt, sich auch nur die nöthigsten Hülfsmittel zu verschaffen, eine Einsicht in den Stand der Dinge in der Ge⸗ genwart zu gewinnen, so glauben wir vielen unserer Leser entgegen zu kom⸗ men, wenn wir ihnen hiermit aus der angezeigten vortrefflichen Brömel'⸗ schen Schrift einen wörtlichen Auszug geben, der nun hier folgt. — Was nun Ihren eigenen Neubau auf dem altkirchlichen Dogma der Christologie betrifft, so muß ich bekennen, daß ich dermalen noch nicht einsehe, wie Ihr Versuch als ein organischer Fortschritt wird betrachtet werden kön⸗ nen; und erlaube mir, in Folgendem Ihnen meine Bedenken, wie sie mir beim Lesen Ihrer Dogmatik gekommen sind, kurz zusammenzustellen. Sie haben S. 80 des II. Theiles Ihrer Dogmatik schon eine ganze Literatur Derer zusammengestellt, die Ihnen zustimmen. Und es ist das allerdings ein Kreis von Theologen, der mehr noch durch seine Qualität als durch seine Quantität imponirt. Daß manche von denselben Ihre Lehre wirklich ange⸗ nommen haben, ist gewiß. Wenn freilich z. B. Kahnis, Lehre vom heiligen Geiste, S. 58 sagt: „Das Johanneische: Das Wort ward Fleisch, sagt nicht ein Annehmen oder Anziehen der menschlichen Natur aus, sondern ein Ue⸗ 19