# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung Trübſale und Freuden, Erfolge und Mißerfolge, mancherlei Heimſuchung in guten und böſen Tagen; wo Gott Regen und Sonnenſchein auch über die Kirche kommen läßt; wo vom böſen Feind, ſammt der gottloſen Welt, die Kirche und ihre Glieder allerlei Anfeindungen, Anläufe, Liſt und Tücke, auch, wenn es Gott zuläßt, Feuer und Schwert, Ketten und Banden erfah⸗ ren müſſen. Das gehört nicht zur kirchlichen Praxis; denn bei der kirch⸗ lichen Praxis iſt es die Kirche, die da handelt und wirkt, die Kirche, die die Einrichtungen trifft und dieſelben aufrecht erhält, bewahrt und fördert. Da iſt alſo die Kirche thätig, und zwar als Gemeinde, oder durch ihre Diener. Wiederum jedoch gehört nicht alles, was die Glieder der Ge⸗ meinde und die Diener der Kirche thun, zur kirchlichen Praxis. Wenn der Paſtor mit ſeiner Familie eine Spazierfahrt macht, ſo iſt dies nicht ein Stück kirchlicher Praxis. Wenn die Gemeinde eine Verſammlung hält, um zu berathen, was ſie gegen einen Gemeinſchaden thun kann, der die Mehr⸗ zahl ihrer Glieder berührt, wo dann die Gemeindeglieder als Freunde, die auch irdiſche Intereſſen gemein haben, einmal eine Berathung pflegen wollen, ſo iſt das nicht ein Stück kirchlicher Praxis, und es ſoll auch nicht ſo angeſehen werden, als ob die Gemeinde da als Gemeinde handelte. So können eine Anzahl Gemeinden gemeinſam berathen, wie ſie einer verkehrten geſetzgeberiſchen Maßregel des Staates begegnen wollen; wenn es ſich da nicht um Gewiſſensſachen handelt, ſondern um Mitteldinge, ſo kann man nicht ſagen, daß das ein Stück kirchlicher Praxis ſei, und nicht den Vorwurf er⸗ heben, daß die Gemeinden damit Kirche und Staat vermiſcht hätten. In der kirchlichen Praxis handelt die Gemeinde, die Kirche in kirch⸗ lichen Dingen, in ſolchen Dingen, die dem kirchlichen Leben als ſolchem angehören. Aber alles, was die Kirche da thut, gehört zur kirchlichen Praxis. Sei es, daß die Gemeinde in ihrer Geſammtheit, ſei es, daß ſie durch ihre Diener, durch ihre beauftragten Prediger oder den Vorſtand, in kirchlichen Angelegenheiten handelt, wirkt und einrichtet, ſo iſt das ihre kirchliche Praxis, die Geſammtheit dieſer Dinge, die Geſammtheit der Ver⸗ richtungen und Einrichtungen, welche dem kirchlichen Leben als ſolchem an⸗ gehören. Dazu gehören alſo alle Amtsverrichtungen des Predigers, des Schulmeiſters, der Kirchenvorſteher, die Wahl der Prediger, Lehrer und Vorſteher, die Gemeindeverſammlungen und die Verrichtungen in denſelben, welche auf die Angelegenheiten der Gemeinde als ſolcher Bezug haben, die Aufnahme von Gemeindegliedern, die Handhabung der Kirchenzucht, Beicht⸗ anmeldung, Abendmahlsfeier, Feier von gewiſſen Feſten und Feiertagen, das Zuſammentreten der Gemeinden zu Synoden, die Errichtung kirchlicher Anſtalten, die Ausübung des Werkes der Miſſion, wie überhaupt alles, was in irgend einer Weiſe eingeſchloſſen iſt in den Befehl Chriſti: „Gehet hin und lehret ſie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Mehrere Anfragen veranlaßten hier den Referenten zu folgenden Zuſätzen: