# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 9 der HErr, ſeiner Kirche gegeben hat: „Taufet ſie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geiſtes.“ Wir handeln hier nicht vom chriſtlichen Leben überhaupt, ſondern vom chriſtlichen Leben nur inſofern, als es ſich im kirchlichen Leben darſtellt. Ein einzelner Chriſt iſt nicht die Kirche, ſondern wo zwei oder drei in Chriſti Namen verſammelt ſind, da iſt eine Kirche, eine Gemeinde Gottes. Die Zwei oder Drei zuſammen unter Chriſto, ihrem Haupte, ſind eine Ge⸗ meinde, und was ſie als ſolche, als Gemeinde unter Chriſto, ihrem Haupte, thut und einrichtet, das iſt ihr kirchliches Leben, oder, in ihren einzelnen Verrichtungen und Einrichtungen, ihre kirchliche Praxis. Denn die kirch⸗ liche Praxis deckt ſich wiederum nicht mit dem Begriffe des kirchlichen Lebens, wie das kirchliche Leben ſich nicht deckt mit dem Begriffe des chriſt⸗ lichen Lebens. Das chriſtliche Leben iſt ein weiterer Begriff. Ein Chriſt lebt nicht nur als Glied der Kirche; er lebt auch als ein Glied der Fami⸗ lie, als ein Glied des Staatskörpers, und auch in dieſen Ständen lebt er als ein Chriſt und führt ein chriſtlich Leben im Unterſchiede vom Leben der Weltkinder. Ein chriſtlicher Hausvater führt als Hausvater ein anderes Leben, als ſein unchriſtlicher Nachbar, der auch Hausvater iſt. Eine chriſtliche Ehefrau führt als Ehefrau ein anderes Leben, als ihre unchriſtliche Nach⸗ barin, die auch Ehefrau iſt. Und in dieſen Ständen gibt es auch Praxis, da geſchehen auch Werke und werden auch Einrichtungen getroffen. Wenn ein Vater ſeinen Sohn ſtraft mit Worten oder mit dem Stecken, ſo iſt das ein Stück Praxis, und für den leidenden Theil empfindliche Praxis, der er ſich gerne entziehen möchte. Da iſt auch Gefahr, daß von der rechten Praxis abgewichen wird, in excessu oder in defectu, in der Uebertreibung oder in der Unterlaſſung. Ein chriſtlicher Bürger lebt im Staate auch ein chriſtliches Leben. Obſchon Kirche und Staat nicht ein Ding ſind, ſon⸗ dern getrennt und geſchieden ſein und bleiben müſſen, ſo iſt doch ein chriſt⸗ licher Bürger als chriſtlicher Bürger ein anderer Mann, als er geweſen iſt, ehe er ein Chriſt wurde, oder als tauſende es ſind, die nicht Chriſten ſind. Ein Chriſt gehorcht der Obrigkeit, fügt ſich den Geſetzen um des Gewiſſens willen. Ein Unchriſt fügt ſich den Geſetzen um der Strafe willen, oder weil er dabei ſeinen zeitlichen Vortheil hat. So ſtreckt ſich, wie geſagt, das chriſtliche Leben durch alle Stände. Ein chriſtlicher Handwerker lebt ein Chriſtenleben auch in ſeinem Handwerke. Ein chriſtlicher Handelsmann führt einen Chriſtenwandel auch in ſeinem Handel und Gewerbe. Und ein Chriſt führt inſonderheit da einen chriſtlichen Wandel und lebt da ein Chri⸗ ſtenleben, wo ihn Gott am reichſten geſegnet hat, in dem Stande, den er als den höchſten anſchlägt, in dem er lebt, nämlich in der Kirche und als Glied der Kirche. Auch als Glied der Kirche führt er ein Chriſtenleben in aller Gottſeligkeit und Ehrbarkeit. Dieſes kirchliche Leben ſchließt aber mancherlei in ſich, das nicht zur kirchlichen Praxis gehört, mancherlei Erfahrung, Wachsthum und Gedeihen,