# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Verhandlungen der ſechzehnten Verſammlung Theſis IX. Die Unterſchätzung der nothwendigen Einheitlichkeit in der Praxis hat ihren Grund in der Unterſchätzung der Lehre, welche der Praxis zu Grunde liegen ſoll, und hat wiederum Gleichgiltigkeit gegen die Lehre zur Folge. Theſis X. Die Ueberſchätzung der Gleichförmigkeit in der freien kirchlichen Praxis iſt eine gefährliche Verirrung, die zur Unterſchätzung der Lehre und der nothwendigen Einheitlichkeit in der Praxis führt oder ſchon daraus her⸗ fließt und auf Verdeckung des Indifferentismus in der Lehre abzielt. Theſis XI. Die Unterſchätzung der freien kirchlichen Praxis iſt ein Mangel, der leicht zu Störungen im kirchlichen Leben führen kann. Theſis I. Die kirchliche Praxis iſt die Geſammtheit der Verrich⸗ tungen und Einrichtungen, welche dem kirchlichen Leben als ſolchem angehören. Die Schrift unterſcheidet zwiſchen Lehre und Leben, zwiſchen Wiſſen und Thun; der Heiland ſagt zu ſeinen Jüngern: „So ihr ſolches wiſſet, ſelig ſeid ihr, ſo ihr ſolches thut.“ Wir unterſcheiden in der Kirche zwi⸗ ſchen Lehre und Leben wie wir bei dem einzelnen Chriſten unterſcheiden zwiſchen Glauben und Leben. Die Lehre iſt an ſich nicht ein Stück des chriſtlichen oder kirchlichen Lebens. Die Lehre iſt eine Gabe Gottes, die uns Gott geſchenkt hat in ſeinem Worte, und die iſt vollkommen, ſie wächſt nicht, ſie nimmt nicht zu, ſie nimmt nicht ab; ſie bleibt unverändert ſtehen; und wenn Himmel und Erde zuſammenkrachen, dann wird die Lehre blei⸗ ben, und zwar der ganze Bau. Die Lehre iſt nicht ein Keim, den Gott ge⸗ pflanzt hätte im Anfange der Chriſtenheit, und der nun, im Garten der Chriſtenheit gepflegt, gewachſen wäre, ſo daß hier eine neue Lehre und da eine neue Lehre ſich an⸗ und eingefügt hätte, bis nun endlich der ganze Baum der Lehre ſo weit ſich entwickelt hätte, wie wir ihn heute haben, und daß nun auch in Zukunft dieſe Lehrentwickelung weiter ginge und die Lehre der Vollendung entgegen ſich entwickelte. Nein, die Lehre iſt eine vollkom⸗ mene, fertige Gabe Gottes, und zwar ſo entſchieden, daß es ein Greuel iſt, etwas hinzuzuthun, und eine Vermeſſenheit, etwas davon zu thun. Aber das Lehren iſt ein Stück chriſtlichen, kirchlichen Lebens, die Ausführung eines Auftrages, den Chriſtus, der HErr, ſelbſt ſeiner Kirche gegeben hat: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker.“ Und das Taufen iſt ein Stück kirchlichen Lebens, iſt Ausführung des Auftrags, den Chriſtus,