# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1896_S5 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1896. 5 Lehrverhandlungen. Die kirchliche Praxis. Referent: Prof. A. L. Gräbner. Der Gegenſtand, welcher diesmal der Synodalconferenz zur Be⸗ ſprechung vorgelegt wird, iſt die kirchliche Praxis. Es iſt wohl der Mühe werth, ja, es iſt wohl nöthig, daß wir als Synodalconferenz gerade über dieſen Gegenſtand einmal im Zuſammenhange handeln. Die Einig⸗ keit in der Lehre iſt ja gewiß das erſte und Hauptſtück, das eine kirchliche Körperſchaft anzuſtreben hat, wo ſie es noch nicht hat, und treu zu bewah⸗ ren hat, wo es ihr Gott geſchenkt hat. Uns nun hat Gott die große Gnade erwieſen, daß er uns das Hauptſtück, die Einigkeit in der Wahrheit, in der Lehre des Wortes Gottes geſchenkt hat, die ſeltene Gnade, daß in unſerer rechtgläubigen americaniſch⸗lutheriſchen Kirche nun über ein halbes Jahr⸗ hundert das reine, lautere Wort Gottes gelehrt, gehört und geglaubt wird. Aber ſo hoch uns daran gelegen ſein muß, dies Kleinod zu bewahren, und ſo furchtbar die Verantwortung wäre, die uns bevorſtände, wenn wir dies Kleinod durch unſere Schuld verlören, ſo ſollen wir uns doch hüten davor, daß wir meinten, wenn bei uns die Lehre recht und rein auf den Kanzeln, in unſern Schulen, in unſern kirchlichen Blättern, in unſern ſynodalen Ver⸗ ſammlungen geht, dann ſei alles geſchehen, was geſchehen könne, dann hät⸗ ten wir alles, was wir haben ſollen. Wir wiſſen von einer Gemeinde, an die ein Apoſtel aus dem Heiligen Geiſte folgendermaßen geſchrieben hat: „Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben iſt in Chriſto JEſu, daß ihr ſeid durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntniß, wie denn die Predigt von Chriſto in euch kräftig worden iſt, alſo daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unſers HErrn JEſu Chriſti.“ 1 Cor. 1. Aber zu derſelben Gemeinde ſagt derſelbe Apoſtel aus demſelben Heiligen Geiſte: „Euer Ruhm iſt nicht fein.“ Es waren Stücke der Praxis, um deren willen ſo für alle Zeiten bis an den jüngſten Tag von der ganzen Gemeinde geſagt iſt: „Euer Ruhm iſt nicht fein.“ Und ſo kann es auch heute geſchehen, daß eine Synode, oder ein Kreis von Syno⸗ den, wie die Synodalconferenz, an allen Stücken reich iſt, an aller Lehre und an aller Erkenntniß, und in allen Stücken keinen Mangel hat an irgend einer Gabe, und daß ſie doch dahin kommt, daß es von ihr heißen muß: „Euer Ruhm iſt nicht fein.“ Gerade in unſern Tagen iſt die Gefahr groß, daß es auch mit uns dahin kommen könnte. Es iſt ja wahr, ſo lange die reine Lehre auf den