# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S287 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 287 die die Lehre von der Rechtfertigung kennen. sonnenhell, daß Pf. Löhe schon vor zehn Jahren „von dem Hauptstück gefallen“ und daß daher nun kein mehr Aufhalten ist, daß er nicht von einem Irrthum in den andern fallen sollte, so er jenen Abfall nicht erkennt und bußfertig zum Evangelium zurückkehrt. Ueber Dr. Baumgarten's Amtsentlassung und Theologie findet sich in der Rudelbach⸗Guericke'schen Zeitschrift (3. Quartalh. d. J.) ein vortrefflicher Auf⸗ satz von dem Herrn Superintendent A. Brömel im Lauenburgischen. Darin heißt es u. A.: „Wer die Sache gerade und ohne zeitgeistische Tendenzen anschaut, der wird sich schwerlich von den Phrasenmachern imponiren lassen, sondern vielmehr dem Kirchenregiment Recht geben müssen, daß es gethan hat, was seine Pflicht war. Die einzige Frage wird nur die sein, ob der Prof. Dr. Baumgarten so gelehrt hat, daß das Kirchenregiment einschreiten mußte.“ Daß dem so war, zeigt Brömel im Folgenden auf das schlagendste und erklärt u. A.: „Görres sagte einmal, im Garten setze man wohl einen Strauch, damit alles Un⸗ geziefer sich dahin ziehe; so scheint es, daß in B's. Theologie sich alle Verkehrtheiten, die dermalen im theologischen Garten grassiren, gesammelt haben.“ So glaubensstärkend es jedoch ist, daß ein Mann wie Brömel also redet, so niederschlagend ist es, daß Dr. Guericke, als Redacteur, den Brömel'schen Aufsatz voll Salz mit folgender, lutherischen Glauben offenbar verleugnenden Note begleitet: „Die Redaction ihrestheils muß zwar tief das an Dr. Baumgarten Geschehene und seine Folgen beklagen. Gilt doch das „„Schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit,“'“ wenn von irgend einer Zeit, von der so kindesschwachen unsrigen, in Bezug auf „„Abweichungen vom reinen Bekenntnisse“'“ (denn das „„poli⸗ tische“'“ Vorwenden ist ja offenbar nichtssagend), zumal wenn es doch noch immer nicht völlig diametrale Abweichungen sind und verschuldet nicht am Altar, sondern auf dem Ka⸗ theder, und zu allermeist wenn, die den ersten Stein aufheben, nicht geringerer Abweichung, nur nach der anderen Seite hin, schuldig sind. Dies durfte aber doch die Redaction nicht hindern, den obigen von einem Mitarbeiter eingesandten Aufsatz unverkürzt zu veröffent⸗ lichen.“ Wollte Gott, Herr Dr. Guericke hätte dies nie geschrieben! Oder kann die Zeit so böse werden, daß die Wächter und Regierer innerhalb der Kirche untreu werden müs⸗ sen? Falsche Propheten und Seelenmörder gewähren lassen müssen? Oder versäuert ein „wenig Sauerteig“ nicht mehr den ganzen Teig? (Ganz abgesehen davon, daß in Baum⸗ garten's Theologie nicht wenig, sondern viel, viel Sauerteig enthalten ist!) Wir müssen vielmehr sagen: Wehe, wehe dem Kirchenregiment, namentlich bei Repräsentativ⸗Verfas⸗ sung, welches die große demselben übertragene Kirchengewalt nicht dazu gebraucht, das arme, durch Christi Blut theuer erkaufte Christenvolk vor dem Gifte der falschen Lehrer zu bewahren, sondern wie ein Eli zu der geistlichen Giftmischerei derer, welche die Hirten des Volkes erziehen sollen, nicht einmal sauer sieht! Ein Kirchenregiment, welches hingegen hierin seine dem Volke geschworene Pflicht thut, deswegen angreifen, ist namentlich in unserer bösen Zeit eine schwere, schwere Sünde. Mag das Kirchenregiment selbst schuldig sein, hierin hat es keine Schuld. Aufrichtige Lutheraner werden es darob segnen und Gott anrufen, daß Er es weiter erleuchten und ihm auch aus seinem eigenen Irrthum heraus helfen möge. Koburg. Während alle deutschen Landeskirchen, so schreibt eine deutsche Zeitschrift, zu ihren alten Kernliedern zurückgreifen, sollen nun die mehr als verwässerten Lieder den Ge⸗ meinden des Landes Koburg erst aufgedrungen werden. Laut Verordnung herzoglicher Lan⸗ desregierung vom 28. April d. J. soll — in [unleserlich] Gegensatz zu dem Inhalt einer von mehreren Geistlichen des Landes überreichten und ausführlich begründeten Petition — das von weiland Dr. Brotschneider verfaßte „neue“ Koburger Gesangbuch vom J. 1853, welches bisher nur in der Residenzstadt selbst und einer Anzahl Landgemeinden Aufnahme gefunden hatte, wirklich zwangsweise in allen Schulen eingeführt werden, und zwar mit Ausschluß aller sonstigen Sammlungen von geistlichen oder Kirchenliedern. Mögen doch die Lutheraner endlich erwachen und endlich einmal das Wort der Apostel in Anwendung bringen: „Man muß Gott mehr gehorchen, denn den Menschen.“ Apostg. 5, 29. Die sittlichen und kirchlichen Zustände in Meklenburg haben in der Ev. K.⸗Z. eine eingehendere Besprechung gefunden, welche alle Beachtung verdient.