# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S286 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 286 Kirchlich - Zeitgeschichtliches. jedoch auch in Minnesota große Ansiedelungen. Es erscheinen hier sechs Zeitschriften in beiden Sprachen, drei in dänischer oder norwegischer Sprache, drei in schwedischer. — Die römische Kirche. — Diese Kirche hat jetzt in den Vereinigten Staaten 39 Bischöfe, 1372 Priester, 2053 Kirchen, 35 Seminarien, 29 incorporirte und 20 nicht incor⸗ porirte Colleges und 134 Academien für Mädchen. Die gesammte römische Bevölkerung wird auf vier Millionen geschätzt. 18 wöchentliche Zeitschriften in deutscher, englischer und französischer Sprache arbeiten im papistischen Interesse. — II. Ausland. Chiliasmus. Im vorigen Jahr hat Pfarrer Löhe eine Predigt über Phil. 3, 7—11. veröffentlicht, welche das „Entgegenkommen zur Auferstehung der Todten“ behan⸗ delt. In einer Recension dieser Predigt, welche sich im Sächs. Kirchen⸗ und Schulblatt findet, heißt es u. A.: „Ob man den Unterschied erster und zweiter Auferstehung zum Ge⸗ genstand einer Predigt machen solle, kann man bezweifeln. Aber schriftgemäß ist er.“ (Wenn das wahr ist, und zwar im Sinne der Chiliasten, so sehen wir nicht, wie „be⸗ zweifelt“ werden könne, daß jener Unterschied mit Recht zum Gegenstand einer Predigt gemacht werde. Wer dies bezweifelt, dürfte damit verrathen, daß es mit seiner Ueberzeu⸗ gung von dem biblischen Grunde jener Lehre etwas wackelig aussehe.) Löhe bekennt, daß er in der Einsamkeit seiner Krankheit in der Lehre von den letzten Dingen Manches gelernt und so sich denn auch von der Schriftmäßigkeit jener Unterscheidung überzeugt habe. Die hierdurch bestimmte Eschatologie wird, wie scheint, in den Löhe'schen Kreisen immer hei⸗ mischer, nachdem sie in denselben noch vor wenigen Jahren als chiliastische Ketzerei an Lehrern der Theologie verworfen worden. Auch Löhe's im Erscheinen begriffene Epistel⸗ predigten zeigen, daß er nicht ohne Vorliebe sich in diesen Anschauungen bewegt. Leipzig. Zum Stadtsuperintendenten, Pastor zu St. Thomä und Professor der Theologie ist hier Dr. Lechler, zeither Decan zu Knittlingen in Würtemberg, ernannt worden, und hat derselbe am ersten Pfingstfeiertag seine Antrittspredigt gehalten. Löhe's Orthodoxie. Wie wir aus Münkel's Neuem Zeitblatte ersehen, hat Löhe einem Freunde, der seinetwegen um der Oelungsgeschichte willen von Scrupeln geplagt worden war, u. A. Folgendes geschrieben: „Seien Sie ganz ruhig, bei uns hier herrscht die Lehre von der Rechtfertigung allein aus dem Glauben; wir mögen weder mit dem Romanismus noch mit dem Irvingianismus zu thun haben. Kein Artikel der Augsburgi⸗ schen Confession ist uns entfallen.“ Hiernach ist klar, daß auch Löhe in starken Illusionen steht. Lehrte er rein von der Rechtfertigung, so würde er nimmer in seine falsche Lehre vom Amte, von der Oelung, von den letzten Dingen u. s. w. gerathen sein. Luther wird Recht behalten, wenn er schreibt: „Wo dies einige Stück rein auf dem Plan bleibt, so bleibet die Christenheit auch rein und fein einträchtig, und ohne alle Rotten (Häresieen); sintemal dies Stück allein, und sonst nichts, macht und erhält die Christenheit. Und wo auch Rotten auf⸗ kommen oder anfahen, da habe du keinen Zweifel, daß sie gewißlich von diesem Hauptstück gefallen sind, unangesehen, daß sie mit dem Maule viel von Christo plaudern und sich fast putzen und schmücken. Denn dies Stücke lässet keine Rotten aufkommen.“ (Auslegung des 117. Ps.). Wenn wir dies auch auf Löhe anwenden, so haben wir des guten Grund. Wir machen zum Beleg nur auf Eine Stelle seiner Evangelien⸗Postille aufmerksam. Da heißt es in der Predigt über den Pharisäer und Zöllner: „Er (Christus) sagt vom Zöllner: Er ging gerechtfertiget hinab vor jenem. Fasset es wohl, meine Lieben! Es heißt nicht ge⸗ radezu: Er ging hinab gerechtfertigt; so weit war's mit dem Zöllner, wie es scheint, noch nicht. Es heißt nur: Er ging hinab gerechtfertigt vor jenem, vor dem Pharisäer, d. i. Gottes Urtheil über ihn war günstiger, als über den Pharisäer, weil er in der That der bessere und heiligere war. Denn wenn man fragen wollte, wer war beim Beten im Tempel heiliger, der Pharisäer oder der Zöllner, so müßten wir sagen: der Zöllner, denn der Pharisäer hatte gar keine Tugend, aber der Zöllner war wahrhaftig nach Erkenntniß, Willen und Gefühl, — er war in demüthiger Wahrheit und in der wahren Demuth, welche für gefallene Wesen die einzig mögliche ist“ u. s. w. Hieraus ist für alle,