# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S284 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 284 Illusionen der Theologen der Gegenwart ꝛc. Ichor (göttlich Blut) uns im Brod und Wein zu küssen und zu kosten geben will, wer darf's ihm wehren?"" — Die ganze Anschauung schließt sich eng an die Meinung Calvins, „„daß der heilige Geist aus dem verklärten Leibe Christi im Himmel, wie ein Strahl aus der Sonne, eine Lebensemanation (vigor vitalis) zu uns herabführe,"" — nur daß „„diese Lebensstrahlen"" nicht „„direct in das Leben und Wesen der Gläubigen,"" sondern „„auf die Elemente des Sakraments gerichtet werden"" (vgl. S. 255). Das ist nicht die neutestamentliche, nicht die symbolische Lehre vom h. Abendmahl, sondern ein zwischen der evangelischen Wahrheit und dem calvinistischen Irr⸗ thum in der Mitte stehender subjectiver Versuch, das mysterium tremendum der speculirenden Vernunft annehmlich zu machen." So weit Ströbel. — Die Wahrnehmung, daß jetzt viele, selbst aus⸗ gezeichnet gelehrte, Theologen sich der Illusion hingeben, bei ihren Schrift⸗ studien auf gleiche Resultate mit unserer lutherischen Kirche gekommen zu sein, während sie einer ganz anderen Lehre huldigen, diese Wahrnehmung macht uns immer gewisser in der Ueberzeugung, daß es kein geeigneteres Mittel gibt, der gegenwärtigen die Lehre betreffenden Verwirrung unter Gottes Segen und Beistand kräftig entgegenzuarbeiten, als Conferenzen, wie sie hier in Amerika ins Leben getreten sind, in welchen sich die Lutheraner unter herz⸗ licher Anrufung Gottes über die Lehre, nehmlich über den wahren Sinn unserer kirchlichen Bekenntnisse besprechen und in demselben vereinigen. Möchte dies doch mehr erkannt und demgemäß gehandelt werden! Möchten diejenigen, welche wünschen, daß die Kirche unserer Väter hier wieder zwar nicht entstehe, aber erstehe und als ein Baum des Lebens seine Zweige über das ganze Land ausbreite, sich nicht in noch so großer Anzahl von einem Werk zurückziehen, mit welchem außer Zweifel der allein richtige Weg zu wah⸗ rer gottgefälliger und starker Einigkeit eingeschlagen ist! Zwar sind wir der festen Ueberzeugung, Gott wird das einfältig, ohne alle unlautere Absicht in seinem Namen und lediglich zur Förderung der Einigkeit in der Wahrheit begonnene Werk erhalten und segnen; sollte dasselbe aber nicht wirken, was es wirken könnte, so mögen alle die, die sich Freunde der lutherischen Kirche nennen und sich scheu zurückziehen, die Verantwortung dafür allein auf sich nehmen. Der Einwand, die Conferenz sollte, wenn sie echt lutherisch sein wolle, nicht allein die Augsburgische Confession, sondern das ganze Concor⸗ dienbuch zu ihrer Grundlage haben, ist grundlos, denn wer wirklich auf den Grund der ungeänderten Augsburgischen Confession nach ihrem einfachen Wortverstand steht, der steht eben damit auf der ganzen Concordia, welche die Lehre der Augustana nur entwickelt, vor Mißverstand rettet und verthei⸗ digt. Stände daher die gesammte s. g. amerikanisch lutherische Kirche nur erst wieder von Herzen auf dem Augsburgischen Bekenntniß, dann würde es keiner Ueberredungskünste bedürfen, sie auch zum Mitbekenntniß mit der Apo⸗ logie, den Schmalkaldischen Artikeln, den Katechismen Luther's und der Concordienformel zu bringen. Haben wir uns aber noch nicht auf der Basis des lutherischen Grundbekenntnisses in Wahrheit geeinigt, so ist alles noch so