# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 58 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung 3. Alle Schwarmgeiſterei iſt rückſichtslos zu verdammen. a. Ohne Rückſicht darauf, wo wir ſie finden. Wir finden ſie ſchier überall. Auch in der Kirche; auf allen Gebieten; auf dem der Glaubens⸗ lehre, wie wir ſchon vernommen haben. Wir haben die Schwarmgeiſterei auch auf dem Gebiet der Moral. Von ſogenannten Theologen iſt der Ton angeſchlagen worden, daß auch der Inhalt der Ethik, der Sittenlehre, aus dem Bewußtſein oder Gefühl zu entwickeln ſei. Allerdings haben die Philoſophen es ihnen unter den Fuß gegeben. Die Anerkennung eines ob⸗ jectiv ewig gültigen Geſetzes iſt wankend geworden. Und die Gewäſſer dieſer moraliſchen Subjectivität ſind weit über die Ufer der theologiſchen Verhandlungen getreten und überſchwemmen den ſehr empfänglichen Boden des Volkes. Man will nichts mehr von Moral aus den heiligen zehn Ge⸗ boten, ſondern nur von der aus dem eignen Bewußtſein wiſſen. Nach⸗ gerade werden die Dinge völlig umgekehrt. Man kann Darſtellungen leſen, wonach es für ein Weib unſittlich ſein ſoll, an dem einmal geſchloſſenen Ehebunde treu feſtzuhalten; dagegen ſoll es ganz ſittlich ſein, ja, durch die wahre Sittlichkeit geboten, wenn ſie die Ehe bricht und Mann und Kinder verläßt, weil ſie den Mann nicht liebt. Für jeden ſoll immer das erſte ſein eignes „Ich" ſein. Das muß er behaupten. Dieſen Ton ſchlägt nicht nur die ſchlechte, ſondern auch die moraliſch ſein wollende Literatur an. Wir haben die Schwarmgeiſterei auch auf dem Gebiet der Erziehung. Sie äußert ſich auch hier in dem Subjectivismus, in der Aufſtellung eines Princips, aus dem die ganze Erziehungslehre entwickelt wird, worauf alle Lehrſätze zielen. So iſt z. B. ein Princip: Die Bildung von Characteren. Man ſtachelt den Ehrgeiz an und vermehrt die Furcht vor Strafen. Als einem Nebenmittel gönnt man auch der Schrift allenfalls noch ein Plätzchen. Die chriſtliche Erziehung muß doch vor allen Dingen dahin ſtreben, durch Gottes Gnade die Kinder zu erziehen, denn die allein gibt ein feſtes Herz. Das letzte Ziel der Erziehung kann nur ſein die Förderung im Heil, Meh⸗ rung des Geiſtes und ſeiner Gaben. Wenn die Jugend in der Taufgnade großwächſt, dann hat ſie den Character, den Gott an ihr ſehen will. Dies iſt es aber nicht, was man in der viel verbreiteten Erziehungslehre der Cha⸗ racterbildung verſteht. Dieſe Erziehungslehre ſetzt an Stelle der Schrift und Schriftlehre etwas anderes. Die chriſtliche Erziehungslehre nach der Schrift umfaßt folgende Sätze: a. Das zu erziehende Object iſt das Kind Gottes, der getaufte Himmelserbe; b. die Methode: Zieht ſie auf in der Furcht Gottes, in der Zucht und Vermahnung des HErrn; c. das Mittel: Weil du von Kind auf die heilige Schrift weißt; d. das Ziel: Auf daß ein Menſch Gottes ſei vollkommen zu allem guten Werke geſchickt. Sicher wird die Erziehung nach der einfachen Schrift⸗Erziehungslehre ewig gute Reſultate liefern. Wir haben ja dafür Gottes Verheißung. Sein Wort ſoll auch in der Erziehung nicht wieder leer zu ihm kommen. Wir