# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung gleich kräftig ſind überall zur Bekehrung und doch nicht alle bekehrt werden, ſo folgt mit Nothwendigkeit, daß nicht allein in Gottes Rath und Gnade, ſondern auch in uns ein Factor liegen muß, der die Bekehrung zu Stande bringt. Der altlutheriſche Satz, „daß ſich der Menſch zu ſeiner Bekehrung pure passive (rein leidend) halte, das iſt, ganz und gar nichts darzu thue, ſondern nur leide, was Gott in ihme wirket", iſt von den neuen Syner⸗ giſten dahin umgeſtellt worden, daß er heißt: Iſt der Menſch durch die ge⸗ ſchenkten Gnadenkräfte in die Verfaſſung der Bekehrung gebracht, ſo kann er ſich auch für ſeine Bekehrung entſcheiden. Es folgt alſo mit Noth⸗ wendigkeit, daß nicht in Gott allein die Urſachen unſerer Bekehrung lie⸗ gen, ſondern in einem gewiſſen Sinn liegt es auch am Menſchen, daß er bekehrt wird. Die Schrift lehrt von einer ewigen Wahl Gottes zur Seligkeit. Sie lehrt, daß Gottes Erwählen geſchehen ſei nach ſeinem Wohlgefallen und in Chriſto. Die Schrift lehrt auch reichlich vom Glauben, deſſen Ent⸗ ſtehung, Wichtigkeit, Kraft und Wirkung, daß z. B. kein Menſch in Chriſto ſein kann ohne den Glauben. Aus dieſen beiden Lehren hat man den Schluß gemacht, daß Gottes Erwählen beſtimmt ſei nicht nur durch das zu leiſtende Verdienſt Chriſti, ſondern auch durch die Vorausſicht der im Glauben geſchehenen finalen Aneignung dieſes Verdienſtes. Kurz, man hat durch dieſen Schluß die Lehre von der Erwählung in Vorausſicht des beſtändigen Glaubens gemacht. Das iſt Schwarmgeiſterei, die von dem Bekenntniß der lutheriſchen Kirche in dieſen denkwürdigen Worten abgewieſen wird: „Alſo iſt daran kein Zweifel, daß Gott gar wohl und aufs allergewiſſeſte vor der Zeit der Welt zuvor erſehen habe und noch wiſſe, welche von denen, ſo be⸗ rufen werden, gläuben oder nicht gläuben werden. Item, welche von den Bekehrten beſtändig, welche nicht beſtändig bleiben werden. . . . Weil aber ſolches Gott ſeiner Weisheit vorbehalten, und uns im Wort davon nichts offenbaret, viel weniger ſolches durch unſere Gedanken zu erforſchen uns be⸗ fohlen, ſondern ernſtlich davon abgehalten hat Röm. 11.: ſollen wir mit unſern Gedanken nicht folgern, ſchließen, noch darinnen grübeln, ſondern uns an ſein geoffenbartes Wort, darauf er uns weiſet, halten." Die Beſtimmung einer Wahl zur Seligkeit in Vorausſicht der im Glauben geſchehenen Aneignung des Verdienſtes Chriſti iſt nir⸗ gends in den sedes doctrinae von der Erwählung gegeben, ſie iſt als Glied der Definition der Erwählung aus andern Artikeln der Lehre herüber ge⸗ nommen. Das iſt aber keine Schrifterklärung, ſondern ſchwärmeriſche Schriftverkehrung. 3. Die werkeriſche Schwarmgeiſterei. a. Die miſſiontreiberiſche Schwarmgeiſterei. Man ver⸗ ſtehe uns nicht falſch. Wir wollen dem göttlichen Werk wahrer Miſſion als ſolcher keinen Stein an den Hals binden. Aber daß man ſpricht und⸗