# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 54 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung Wir dürfen die Definition einer Lehre nicht für die aus der Schrift ge⸗ wonnene ausgeben, wenn wir in dieſelbe ein Glied aufgenommen haben, das Gott nicht hineingeſetzt hat durch die Grund⸗ und Beweisſtellen (sedes classicae) dieſer Lehre, oder wenn wir einem Stücke der Definition, welches in einer andern Lehre vorkommen mag, eine Stellung geben nach der Art der andern Lehre, während es Gott ſelbſt in den Grundſtellen der betreffen⸗ den Lehre nicht thut. Es ſollte zu dieſem Punkte kaum noch nöthig ſein zu erwähnen, daß wenn die Schrift ſich ſelbſt auslegt, ſie allerdings bei uns vor allen Dingen die Begabung mit dem Heiligen Geiſte, aber ſodann auch die Ausrüſtung mit den nöthigen grammatiſchen Kenntniſſen der Grund⸗ ſprache vorausſetzt. Derjenige darf daher nicht ſagen, daß die Schrift ihm eine Auslegung in einem Glaubensartikel gegeben habe, wenn dieſe Aus⸗ legung eine offenbare Verletzung der Sprachregeln enthält. Unerlaubt und verwerflich ſind endlich ſolche Schlüſſe, welche durch Schließen von einer Seite auf die andere, z. B. aus der Bejahung auf eine entgegengeſetzte Verneinung, und umgekehrt, Lehrausſagen hervor⸗ bringen, z. B. aus der Lehre der Schrift von der Bekehrung und den Be⸗ kehrten auf die Lehre von der Verhärtung und den Verhärteten, und um⸗ gekehrt. Die Lehre von der Bekehrung iſt ebenſo eine in der Schrift durch ihre beſonderen Lehrſtellen oder sedes feſtgeſtellte Lehre als die von der Ver⸗ härtung durch ihre beſonderen Lehrſtellen oder sedes. Wie falſch man da gehen könnte, zeigt gerade das angeführte Beiſpiel. In der Schrift ſteht, daß Gott bekehrt; würde daraus jemand ſchließen, daß Gott alſo das Gegen⸗ theil nicht thue, nämlich verſtocke, der liefe ſchnurſtracks wider die Schrift, Röm. 9, 17—20. Die Schrift allein ſoll uns die Lehre geben; durch Schlüſſe Lehre machen, heißt alſo, ſich das anmaßen, was allein die Schrift thun ſoll. Durch Schlüſſe Lehre machen, heißt aber auch Schwarmgeiſterei treiben. Und dieſe Art Schwarmgeiſterei gibt es reichlich. Wir geben davon einige Beiſpiele. Bekannt iſt, wie die Römiſchen ihren Kelchraub mit der Folge oder Schluß beweiſen wollen. Im Abendmahl, ſagen ſie, iſt der wahre Leib Chriſti, denn da ſteht: „Das iſt mein Leib." Ein wahrer Leib iſt aber nicht ohne Blut. Folglich, wenn die Laien den wahren Leib Chriſti mit⸗ getheilt bekommen, ſo bekommen ſie ja mit dieſem Leib ſchon das Blut Chriſti. Folglich kann es kein Unrecht ſein, den Laien den Kelch zu ent⸗ ziehen. Dieſer Folge⸗ oder Schlußſchwärmerei begegnet aber Luther in dieſer Weiſe wider den Biſchof zu Meißen (1528): „Hiezu ſchlägt nu die Concomitantien, das iſt, die Folge. Weil Chriſtus Leib nicht ohn Blut iſt, ſo folget daraus, daß ſein Blut nicht ohn Seel iſt; daraus folget, daß ſeine Seele nicht ohn die Gottheit iſt; daraus folget, daß ſeine Gottheit nicht ohn den Vater und Heiligen Geiſt iſt; daraus folget, daß im Sacra⸗ ment auch unter einer Geſtalt die Seele Chriſti, die heilige Dreifaltigkeit