# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S53 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 53 und die doch oft Schmerzen da fühlen, wo ſie keine Beine mehr haben. Und was noch das Schönſte dabei iſt, dieſe verborgene geiſtliche Leiblichkeit ſoll genährt werden durch den Genuß des Leibes und Blutes Chriſti im Sacra⸗ ment, und ſo iſt denn eine ſyſtematiſche Brücke gefunden vom natürlichen Leib zum verklärten Leibe der Auferſtehung. Aber, ſagt St. Paulus, unſer Wiſſen iſt Stückwerk, und unſer Weiſſagen iſt Stückwerk, und verbietet damit alles Syſtematiſiren, das keinen Sprung, keinen Bruch leiden will, oder gar meint, es müſſe die Lücken, welche die göttliche Weisheit zur Uebung unſerer Demuth gelaſſen hat, durch ſeine Afterweisheit ausfüllen. b. Die abgeſchwächt ſyſtematiſirende Schwarmgeiſterei. Die Schwarmgeiſterei dieſer Art hat nicht gerade den Ehrgeiz, ein Syſtem vollendeter Art aufzubauen. Wiewohl ein Vertreter derſelben in öffent⸗ licher Verſammlung erklärt hat, das Harmoniſiren der Lehre ſei die Auf⸗ gabe auch unſerer Theologie. Dieſe Art hat es nun an ſich, daß ſie durch Schlüſſemachen ihre ſchwärmeriſche Geiſtlichkeit auszulaſſen ſucht. Theologiſch unzuläſſig aber ſind alle Schlüſſe, welche gegen folgende Grundſätze verſtoßen: 1. daß die Schrift die Quelle aller Lehre iſt; 2. daß die Schrift die Richterin aller Lehre iſt; 3. daß die Schrift beides ſein kann, indem ſie deutlich iſt und ſich ſelbſt auslegt, und beides nur ſo ſein ſoll; 4. daß die Schrift ſo Quelle und Norm aller Lehre iſt, daß die Glaubens⸗ lehren aus deren beſtimmten sedes doctrinae (Sitzen der Lehre) allein zu nehmen ſind, und daß nur ſo der Grundſatz, daß die Schrift ſich ſelbſt aus⸗ legt, Anwendung finden darf. Darum iſt ein Schluß, der wirklich ein Lehrſtück oder Lehrglied er⸗ zeugt, ein unerlaubter (illegitimer). Es ſind auch keine Stücke der reinen Lehre in ſolcher Art entſtanden. Dagegen ſind freilich viele unerlaubte Schlüſſe gemacht und dadurch Lehren producirt worden, z. B. ſo, daß man aus Schriftſtellen, die etwas verneinen, das Entgegengeſetzte als nun durch die Schrift bejaht und damit als ſchriftmäßige Lehre geſetzt annahm. Ein Schluß iſt unerlaubt, wenn er über die richtige oder falſche Geſtalt einer Lehre entſcheiden will, weil eben die Schrift ſelbſt allein das Richter⸗ amt hat. Ein Schluß iſt illegitim, wenn er zur Beſtimmung (Definition) einer Lehre aus den Definitionen anderer Lehren beſtimmte Glieder herbei⸗ bringen will. Und wenn in einem ſolchen Falle das herbeigebrachte Glied der Definition in ſeiner Art, in ſeiner Wichtigkeit auch ſonſt durch Hunderte von Sprüchen belegt werden könnte, ſo darf man ſich nicht damit rechtfertigen, man lege ja Schrift durch Schrift aus; denn darunter, daß man Schrift durch Schrift auslegt, verſteht man vor allen Dingen dies, daß die Schrift ſich in allen Ausſagen je über die einzelnen Glaubensartikel ſo aus⸗ ſpricht, daß die einzelnen, über ein und denſelben Artikel lehrenden Sprüche einander auslegen und keine Auslegung über dieſen Glaubensartikel als die der göttlichen Wahrheit entſprechende gilt, die nicht ſo gewonnen iſt.