# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 52 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung rühmten als Weg zur rechten, die Seligkeit verbürgenden Werkerei die Ver⸗ ſetzung in den Tugendenthuſiasmus nach dem Vorbilde JEſu, und v. Hof⸗ mann die Verſetzung in den Strom des Lebens JEſu, das iſt, einfach geſagt: Die Heiligung. So führt hier die Syſtematik zur Aufhebung des Evan⸗ geliums. Die Syſtematik iſt in gar nicht geringem Maße eine fruchtbare, Lehren erzeugende Mutter geweſen. Die Hauptforderung der Syſtemmacherei iſt: es muß im Lehrgebäude nirgends eine Lücke bleiben und alles muß mit einander aufs genauſte im Einklang ſtehen. Das darf nicht gelitten werden, daß die meiſternde Vernunft ſagt: Hier fehlt was! oder: Hier ſtimmt eine Lehre nicht ganz mit der andern. So hat die Syſtemmacherei manche Lehren erzeugt, producirt. So z. B. die Keimlehre. Die Syſtemmacherei, die alſo keine Lücke leiden kann, hat eine ſolche zu finden gemeint zwiſchen der Taufe und Bekehrung, wenn ein Getaufter durch ſeinen Abfall vom Glauben das ganze in der Taufe einſt bekommene Leben verlieren ſoll. Da hat die Syſtemmacherei die Keimlehre producirt ſchon bei den Calviniſten. Näm⸗ lich dieſe: daß in dem nach der Taufe und Wiedergeburt abgefallenen Men⸗ ſchen doch ein Keim des in der Wiedergeburt bekommenen Lebens bleibt und in der Bekehrung neu belebt wird. Auch die Lehre vom Mittel⸗ zuſtand iſt ein Erzeugniß der Syſtemmacherei, um die Lücke zwiſchen Zeit und Ewigkeit auszufüllen zur rechten Vereinbarung zugleich zwiſchen der Zuſage Gottes, daß allen Menſchen geholfen werden ſoll, und der Regie⸗ rung Gottes, daß er zu ſo vielen doch das helfende Evangelium nicht hat kommen laſſen. Wenn auf die Zeit gleich die Ewigkeit folgte, bliebe nach Meinung der Syſtemkünſtler eine ſchlimme Lücke. Die wird zu allge⸗ meiner Befriedigung ausgefüllt dadurch, daß zwiſchen Zeit und Ewigkeit ein Mittelzuſtand eingeſchoben wird, der eben mit dem Scheiden aus dem zeitlichen Leben beginnt. Da ſoll es nach dem Tode im Jenſeits noch Predigt des Evangelii geben, ſo daß ſich da noch der bekehren kann, der ſich nicht hier bekehrt hat. Ein Liebhaber dieſer Lehre vom Mittelzuſtand, ein be⸗ rühmter Theologe, macht da den Menſchen einen guten Troſt fürs Fleiſch mit der Erklärung: daß Gott gewiß den Menſchen nicht gleich ewig ver⸗ werfen werde, dem hier vielleicht nur einmal das Evangelium gepredigt wurde und der dies eine Mal nicht gleich hörte, ſondern nach ſeiner Barm⸗ herzigkeit werde er ihm nochmals predigen laſſen im Jenſeits, im Mittel⸗ zuſtand, da werde der Sünder mehr Ernſt und die Predigt beſſern Erfolg haben. Das ſieht man am reichen Manne, Luc. 16, 24. Die Lehre von der Zwiſchenleiblichkeit iſt auch Erzeugniß der Syſtematik und gehört auch hierher. Erſt ſollen wir einen natürlichen Leib haben und dann einen verklärten Leib, ſo ſagt die Schrift; dieſe Verwand⸗ lung wäre nach der Syſtematik zu ſehr ohne Bindeglied. Da muß eine ver⸗ borgene geiſtliche Leiblichkeit ſchon hier eingeſchoben werden. Daß eine ſolche ſtatthaben könne, ſehen wir an Leuten, denen die Beine amputirt ſind