# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung liegt dem Syſtem das chriſtliche Bewußtſein zu Grunde, wie bei Schleiermacher; aber es wird nicht nur mit philoſophiſch geleiteter Reflexion, ſondern viel bewußter und ausgeſprochener mit philoſophiſchen Hülfsmitteln daraus entwickelt (Rothe, Dorner, Nitzſch, Ullmann); oder es wird von einem beſtimmten Grundartikel der Glaubenslehre aus das Syſtem aufge⸗ baut (Liebner, Kähler, Thomaſius); oder es wird überhaupt das Syſtem vorwiegend mit beſtimmten philoſophiſchen Principien aufgebaut, z. B. aus der irgend in einer Form ausgedrückten Einheit des Geiſtes und aller ſeiner Erkenntniß, ſei es daß die Principien einer beſtimmten Philoſophie ange⸗ hören oder nicht (Biedermann, Weiß, De Wette, Schwarz, Marheinecke, Daub). Ziel hierbei iſt: Entweder ſoll ſo durch den ſyſtematiſchen Auf⸗ bau die rechte Geſtalt der Schriftlehre, alſo auch die wahrhaft befriedigende Schrifterkenntniß gewonnen werden; oder es ſoll gar nach dem Grundſatz der Perfectibilität der Schriftlehre und des ſchriftgläubigen Chriſtenthums die ſchlechtweg einzig befriedigende religiöſe Erkenntniß gewonnen werden, das heißt, die Erkenntniß, in welcher Vernunft, Offenbarung, Glaube, Wiſſen, Schrift und Philoſophie zuſammenſtimmen. — Als Beiſpiele führen wir erſtlich Thomaſius an, der ſonſt mit Recht einen guten Namen in der Kirche hat, aber mit ſeinem Erklärungsverſuch des „Er äußerte ſich ſelbſt" (Phil. 2.) arg in die Syſtemſchwärmerei ge⸗ rathen iſt. In ſeinem Syſtem von Chriſti Perſon und Werk wollte er einen Chriſtus zeichnen mit einer die Vernunft befriedigenden Darſtellung der Jugend JEſu, wie ſich dieſelbe menſchlich entwickelt habe. Die Schwierig⸗ keiten, die unſere Alten dabei gefunden hätten, und die durch kindlichen Glauben überwunden werden müſſen, ſeien nicht vorhanden. Die Jugend⸗ JEſu müſſe den Geſetzen der menſchlichen Entwicklung entſprechen. Von JEſu nun zu ſagen, daß er auch als Kind allwiſſend, allgegenwärtig und allmächtig geweſen ſei und dieſe ſeiner menſchlichen Natur mitgetheilten göttlichen Eigenſchaften nur nicht immer gebraucht habe — dieſe altchriſtliche Kirchenlehre würde der Naturwahrheit eines Kindes nicht entſprechen. Da iſt aber leicht dadurch geholfen, daß man die in Chriſto mit der Menſchheit vereinte Gottheit ohne dieſe Eigenſchaften der Allgegenwart, Allwiſſenheit und Allmacht denkt. Aber wie? Nach der Schrift ſoll doch die ganze Fülle der Gottheit in Chriſto leibhaftig wohnen, Col. 2, 9. Ganz recht, ſagt Prof. Thomaſius. Eben darum muß man ein gutes Syſtem der Theologie machen und ſchon zu Anfang von dem Weſen der Gottheit ſo reden, daß es in dieſe Lehre von Chriſti Gott⸗Menſchheit paßt. Und ſo thut Prof. Thomaſius, und lehrt eine ſolche Gottheit, die eine wahre Gottheit nach dem Weſen bleiben ſoll, auch wenn man davon die Eigenſchaften der Allmacht, Allwiſſenheit und Allgegenwart abſchneidet. So führt denn bei Thomaſius die Syſtemmacherei der Art, nach welcher von einem Glaubens⸗ artikel, nämlich der Lehre von Chriſto aus, die ganze Theologie ſoll auf⸗ gebaut werden zur Lehre von einem ſolchen Gott, der nicht ein einiges und