# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 49 oberſten Grundſatz ableiten, ſondern den Thatbeſtand des Chriſtenthums ſelbſt, wie es principiell zuſammengefaßt iſt, auseinander legen. Als ſolches genetiſche Princip bezeichnet Luther den Artikel von der Glaubensgerechtig⸗ keit!" Daß Luther ſagt, es ſtehen und fallen alle Artikel mit dem von der Rechtfertigung, iſt wahr und hat Luther geſagt; aber nirgends iſt Luthers Lehre ein genetiſches Entwickeln aus dem gläubigen Bewußtſein. Luther läßt ſich weder zu einem Schleiermacherianer, noch viel weniger zum Vater der Schleiermacher⸗Luthardtſchen genetiſchen Entwicklungslehre machen. Jede Lehre hat Luther aus der Schrift und durch die Schrift gezogen und damit hat er der verknöcherten Scholaſtik den Stoß gegeben, was die Enthuſiaſten auch an Schleiermacher preiſen wollen. So viel ſteht feſt, in der genetiſch entwickelnden chriſtlich ſein wollenden Bewußtſeinstheologie haben wir es nicht mit einem Werk des Heiligen Geiſtes, ſondern mit einer Ausgeburt der gefährlichſten Schwarmgeiſterei zu thun. — 2. Die ſyſtematiſirende Schwarmgeiſterei. Wir meinen damit die ſogenannte Theologie, welche auf das Syſtem alles Gewicht legt; welche die Folgerichtigkeit des Syſtems zur Bedingung befriedigender Theologie macht. Die ſyſtematiſirende Schwarmgeiſterei er⸗ blickt nur in dem richtigen Syſtem eine wahrhaft würdige, geiſtestiefe und wiſſenſchaftliche Theologie; ſie macht in Wirklichkeit das Syſtem ebenſo zum Maß deſſen, was ein Stück wahrer Theologie ſein kann und in welcher Faſſung es dies ſein kann, wie zur Quelle deſſen, was ein noth⸗ wendiges Stück wahrer Theologie ſein muß, und in welchem unentbehr⸗ lichen Umfange. Unſere Alten, die Dogmatiker unſerer Kirche, haben auch Syſteme ge⸗ baut, aber ſie waren keine Syſtemreiter. Bei ihnen war die Theologie eine beſchreibende Wiſſenſchaft, wenn wir einmal den verpönten Ausdruck recht gebrauchen wollen. Wenn ein Kirchenlehrer an ſeiner Bibel ſitzt und z. B. den Artikel von der Schöpfung der Welt lieſt, und dazu die an⸗ dern Bibelſprüche ſucht, die auch von derſelben Sache reden, und dies nun nachredet und nachſchreibt, wie es die Schrift uns vorredet, das iſt gewiß Gott nicht mißfällig. Wir können auch die herrlichen Kleinodien, die in dem ſchönen Kaſten der Schrift an verſchiedenen Orten liegen, auf einen Haufen leſen und zuſammenſtellen. Das iſt das beſcheidene Syſtemmachen bei un⸗ ſern Alten. Sobald man weiter geht, einen Zuſammenhang herſtellen will, den Gott nicht gemacht hat, und darauf gar noch ein Grundſyſtem aufbauen will mit Hülfe der Vernunft oder Philoſophie, das iſt verwerfliche Schwarm⸗ geiſterei. Dieſe tritt in zweierlei Geſtalt auf, nämlich a. als ſtreng ſyſtematiſirende Schwarmgeiſterei. Das iſt das Syſtematiſiren in ſeiner entwickelten Vollgeſtalt. Entweder