# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 48 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung ſagen ſelbſt aber als begründet resp. in ihrem Werthe begriffen werden wollen und müſſen, um nicht als mehr oder minder äußerliche Autorität die wiſſenſchaftliche Arbeit einzuſchränken oder aufzuheben, ſo fordert der hiſtoriſch geartete Schriftbeweis zu ſeiner Ergänzung den Nachweis des Zu⸗ ſammenhangs der betreffenden Ausſage mit der fundamentalen und centralen chriſtlichen Gewißheit oder den Nachweis der nach Röm. 12, 6. ſo⸗ genannten analogia fidei (Analogie des Glaubens)." Hier haben wir ein wichtiges Stück aus der Rüſtkammer der ſubjectiviſtiſchen ſchwarmgeiſtigen neueren Theologie, die Unterwerfung der Schrift unter den Subjectivismus. Von Schriftbeweis wird geredet, aber das Licht der Schrift fällt erſt durch den Focus des chriſtlichen Bewußtſeins, ehe es als Be⸗ weislicht die Glaubensſätze beleuchtet. Man nennt das auch durch die nach dem Geiſt aufgefaßte Schrift etwas beweiſen. Das Gegentheil heißt heute wieder, wie in der Pietiſten Zeit, Buchſtäbelei, mechaniſche Auffaſſung der Schrift ꝛc. Daß die neuere Dogmatik vollſtändig vom Subjectivismus beherrſcht und irgendwie eine Abart der Schleiermacherſchen Schwarmgeiſterei iſt, zeigt eine im Ganzen (nämlich Philippi ſei ausgenommen) richtige Ueberſicht über die neuere Dogmatik mit Bezug auf die Frage, worauf die Wahrheit der chriſtlichen Erkenntniß ſich gründe: 1. Die bibliſche Dogmatik ant⸗ wortet: auf das am Gewiſſen ſich erprobende Schriftwort (Beck). 2. Die kirchliche Dogmatik: auf das im Verlauf ihrer Geſchichte „erfahrene" Bekenntniß (Philippi nur in der I. Auflage). 3. Die ſpeculative Dog⸗ matik: auf die Möglichkeit, die Ergebniſſe ſelbſtändiger Speculation als den Kern des chriſtlichen Dogma aufzuweiſen (Ritter, Biedermann). 4. Die Dogmatik der Vermittlungstheologie: auf das Convergiren der kritiſch geläuterten Dogmen nach den geſicherten Ergebniſſen empiriſcher und philologiſcher Forſchung (Dorner). 5. Die Dogmatik des chriſtlichen Bewußtſeins: auf die pſychologiſche Ableitung der chriſtlichen Vor⸗ ſtellungen aus dem chriſtlichen Bewußtſein (Lipſius). 6. Die Dogmatik der praktiſchen Poſtulate: auf den Nachweis, daß die chriſtlichen Glaubensſätze ſolche Poſtulate oder chriſtliche Werthurtheile ſind. Dieſe ganze Aufſtellung iſt ein Zeugniß für unſere obige Behauptung, daß der Subjectivismus, das chriſtliche Bewußtſein eines Schleiermacher, von uns aber ſchwärmeriſche Willkür und Rebellion gegen die Autorität der Schrift genannt, die moderne Theologie beherrſche. Zwei kurze Be⸗ merkungen wollen wir noch zur obigen Aufſtellung machen, ehe wir den nächſten Punkt angreifen. Becks Stellung zur Schrift iſt ganz und gar nicht die ſchriftgemäße. Er iſt abhängig von Myſtikern wie Oetinger und Menken. Sodann: Luthardt ſagt Compendium der Dogmatik, Proleg. § 13: „Wenn die Dogmatik die ſyſtematiſche Darſtellung des chriſtlichen Glaubens ſein ſoll, ſo muß ſie das Ganze der chriſtlichen Lehre aus einer fundamentalen Einheit genetiſch entwickeln, alſo nicht etwa bloß aus einem