# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 47 doch reden, als habe man von ſolchem zuvor nichts gewußt. Selbſt neuere Theologen haben aber die überſchwängliche Lobpreiſerei Schleiermachers durch ſeine Nachtreter ziemlich kräftig und, was das Beſte iſt, recht berech⸗ tigt in die Grenzen der Beſcheidenheit verwieſen. Flügel ſchreibt a. a. O. 272: „Nicht viel anders wußte ſich Schleiermacher zu helfen, um die Reli⸗ gion wiſſenſchaftlich zu halten, als die alten, geläufigen Beweiſe für das Daſein Gottes als überwundener Standpunkt galten. Die Erkenntniß führte nicht zu Gott, das Gebiet des Wollens war ſchon von der Moral beſetzt, darum ſchien ihm nichts übrig zu bleiben, als im Ge⸗ fühl Gottes unmittelbar gewiß zu werden und in dem ſogenannten ſchlecht⸗ hinnigen Abhängigkeitsgefühl die ſicherſte Bürgſchaft der Religion zu er⸗ blicken." Neu war die Stellung Schleiermachers nicht, es iſt die aller Myſtiker, aller Schwarmgeiſter. So haben wir denn nachgewieſen, daß Schleiermacher wohl die Aus⸗ drücke Schrift, Evangelium, Theologie, Heiliger Geiſt, Dienſt am Wort ꝛc. braucht, aber, was er davon lehrt, iſt nicht die Lehre der Kirche Gottes. Seine Glaubenslehre iſt eine Darſtellung eines Gottesbewußtſeins, das voll⸗ ſtändig von der Schrift losgetrennt iſt. Die neuere Theologie aber pro⸗ clamirt Schleiermacher als den großen Propheten, und deswegen haben wir ausführlicher von ihm geredet. Die neuere Theologie hat Schleiermachers Erbe angetreten, nicht das Erbe Luthers. Calvin und Melanchthon gelten allenfalls noch etwas bei den neueren Theologen; Luther aber, der von Gott geſandte Reformator und Engel mit dem ewigen Evangelio, gilt der neueren Theologie nichts. Ja, ſie haſſen ihn, weil ſein aus dem Born des lebendigen Wortes geſchöpftes Zeugniß ihre falſch gerühmte Kunſt auf allen Seiten verdammt. Mit wenigen Ausnahmen lehren die neueren Theologen zwei Dinge aus Schleiermachers Nachlaß: Allgemein iſt 1. ihre Entwicklung der Theo⸗ logie aus dem Subjectivismus, aus dem chriſtlichen Bewußtſein, aus der Glaubensgewißheit, Gewiſſen ꝛc., vielleicht aus dem kirchlichen Bewußt⸗ ſein ꝛc. 2. Allgemein iſt ihre Behauptung, daß nur ſo eine wahrhaft lebens⸗ volle und lebengebende Theologie könne erreicht werden. Hören wir recht ein Mundſtück der modernen Theologie, einen Zöckler in ſeinem Handbuch der theologiſchen Wiſſenſchaften, B. II, 607: „Die Dogmatik iſt eine Disciplin der ſyſtematiſchen oder thetiſchen Theologie, welche im Zuſammenhange des theologiſchen Wiſſensganzen die Aufgabe hat, den Inhalt des chriſtlichen Gottesbewußtſeins, wie er zugleich das Selbſt⸗ und Weltbewußtſein beſtimmt, wiſſenſchaftlich darzulegen oder die Lehre des Chriſtenthums ſyſtematiſch zu entwickeln. Sie formulirt die wiſſenſchaftliche Selbſtausſage des Chriſtenthums." Dieſe Erklärung als Geſammtſtimme der neueren Theologie kann füglich an Stelle vieler einzel⸗ ner Citate ſtehen. Vom Schriftbeweis reden die neueren Theologen zwar auch, aber ſo wie derſelbe Zöckler S. 612 ſagt: „Da die Schriftaus⸗