# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S44 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 44 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung mittelung der Schrift als des Wortes Gottes entſteht, ja, entſtehen muß. Da hätten wir denn ſoweit allerdings die ausgemachte Schwarmgeiſterei. — Doch, da Schleiermacher doch als Weg zum Glauben die Erfahrung als den Beweis des Geiſtes erklärt hat, ſo könnte man ja ſehen, ob nicht Schleiermacher darüber, wie der hier plötzlich erfah⸗ rene Geiſt einem Menſchen mitgetheilt werde, etwas geſagt habe, und zwar von der Art, daß er wirklich ſich als frei von Schwarmgeiſterei zeigte. Und wirklich haben wir in ſeiner Glaubenslehre (II. Th. II. Abſchn. I. Haupt⸗ ſtück, II. Lehrſtück) ein Lehrſtück darüber. So wollen wir hören, was er ſagt: 2. Von der Mittheilung des Heiligen Geiſtes. Da ſagt uns nun § 121 zuvörderſt dies, daß es bei allen in der Heiligung lebenden Men⸗ ſchen das Bewußtſein eines inneren Antriebes zu gemeinſamem Mitwirken und gegenſeitigem Aufeinanderwirken gibt. „Das iſt der Gemeingeiſt des von Chriſto geſtifteten Geſammtlebens." Schleiermacher ſelbſt führt aus, daß der in der kirchlichen Trinitätslehre dargeſtellte Heilige Geiſt eben nicht der Heilige Geiſt der neuteſtamentlichen Schriften ſei, weil dieſe „uns den Heiligen Geiſt immer nur in den Gläubigen darſtellen". Der Heilige Geiſt iſt Perſon in dem Sinne, wie „jeder die eigenthümliche Geſtaltung der Menſchheit in einem Volke als Eine ſieht und auch derjenige, der nur den Einzelnen das Sein beilegt, doch ſagen kann, die Perſönlich⸗ keit eines jeden ſei die durch die urſprüngliche Anlage modificirte Volks⸗ thümlichkeit". Alſo: Sofern der Gemeingeiſt in den einzelnen Chriſten ein frommes perſönliches Leben lebt, kann man von Perſon des Heiligen Geiſtes reden. Wie man alſo von einem Volksgeiſt redet, ſo kann man auch vom Heiligen Geiſt als dem Gemeindegeiſt reden. S. 288: „Der Heilige Geiſt iſt die innerſte Lebenskraft der chriſtlichen Kirche als eines Ganzen." § 122: „Der Heilige Geiſt konnte als dieſer Gemeingeiſt erſt ſeit der Ent⸗ fernung Chriſti von der Erde vollſtändig mitgetheilt und aufgenommen werden." Darum ſoll er in der Gemeinſchaft der Apoſtel auch noch un⸗ vollſtändig geweſen ſein. Nun ſagt doch Schleiermacher früher ſchon, daß vor dem Anſchluß an die Gemeinſchaft ein Menſch gewiß ſein müßte, in der Gemeinſchaft ſeine Rechnung zu finden, das heißt, in der Sprache Schleier⸗ machers, der Menſch müſſe glauben. Und jetzt erinnert er wieder daran, daß er auch geſagt hätte: „ſchon die vorbereitenden Gnadenwirkungen kämen jedem aus dieſem Gemeinweſen", das heißt, der chriſtlichen Gemeine. Wie denn aber kommen ſie ihm daraus? Im beſten Falle aus dem lebendigen Zeugniß der Gemeine, wie er's nennt. Aber dies iſt, wie wir ſchon gelernt haben, nicht das Wort der Schrift. So wenig der heilige Geiſt Schleier⸗ machers der Heilige Geiſt der Bibel iſt, ſo wenig iſt nach Schleiermacher die Bibel, das Wort Gottes das Mittel, den Heiligen Geiſt einem Menſchen mitzutheilen. So können wir auch jetzt noch nicht anders, als Schleier⸗ macher einen Schwarmgeiſt nennen. Um alle Gerechtigkeit zu erfüllen, wollen wir anſehen: