# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S41 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 41 ſchied iſt aber, die alten Theologen laſſen hinter dem Lehrgebäude nicht den Kern der Bibellehre vom Sündenfall und von der Erlöſung verſchwin⸗ den, wie Schleiermacher mit ſeiner Zauberruthe „Dialectik". Ein Theo⸗ loge neueſter Zeit und wahrlich nicht geringer Bewunderer von Schleier⸗ macher, nämlich Prof. Zöckler (im Handbuch II. 633), ſagt doch auch: „Viele Wahrheiten des chriſtlichen Offenbarungsganzen verblaſſen und verkümmern unter dem Einfluſſe dieſes Schematismus" (nämlich des Schemas oder Lehrgebäudes bei Schleiermacher — wobei richtiger „ver⸗ ſchwinden" als verblaſſen und nur verkümmern geſagt würde); „vieles Thatſächliche wird in ſubjectives Empfinden oder bloß gefühls⸗ mäßiges Wahrnehmen umgeſetzt." Dieſe letzteren Worte meinen z. B. dies: Wenn nach Schleiermacher ein Menſch im Gemüthe ſich in Gott verſetzt fühlt — das ſoll das ſein, was die Bibel meint mit der Thatſache, dem wirklich geſchehenen großen Ereigniß und Werk der Verſöh⸗ nung auf Golgatha am Kreuz. — Nach den eben angeführten Worten von Prof. Zöckler kann man nur mit größtem Erſtaunen hören, was er ſo⸗ fort darauf ſagt. Er ſagt: „Trotzdem bleibt der Character" (der Schleier⸗ macherſchen Erlöſungslehre) „ein chriſtocentriſcher, ja, in gewiſſem Sinne ein kirchlich conſervativer." Ja, recht ſehr „in gewiſſem Sinne", wenn man nämlich unter „kirchlich conſervativ" nur die Beibehaltung kirchlicher Aus⸗ drücke, und unter „chriſtocentriſch" den bloßen Namen JEſus Chriſtus ver⸗ ſteht. Denn Erlöſer irgend im Sinn der Schrift iſt Chriſtus nach Schleier⸗ macher nicht. Vielmehr, JEſus Chriſtus iſt der Centralmenſch (— was auch ſchon, nebenbei geſagt — eine uralte Erfindung vor Schleiermacher), der zuerſt die Fülle des Gottesbewußtſeins in ſich aufgenommen hat. Dieſer Chriſtus von Schleiermacher iſt klärlich nicht der der Bibel. Gibt's denn aber einen andern als den? Kann es einen andern geben? 1 Tim. 2, 5. Apoſt. 4, 12. Woher will ein frommes Bewußtſein denn einen andern haben? — Bald, um zu dem an Schleiermacher Hochgerühmten zurückzu⸗ kehren, rühmt man die Eintheilung der Ausſagen des chriſtlichen Bewußt⸗ ſeins in ſolche, die der Centralidee des chriſtlichen Bewußtſeins vorangehen, oder unmittelbar auf ſie gerichtet ſind, oder nachfolgen. Nun, das iſt nichts als die altlutheriſche Theorie von der Eintheilung der Glaubensartikel in fundamentale und nicht fundamentale, die bekanntlich nach dem Lehrfunda⸗ ment, nämlich dem Satze: „Wir werden durch den Glauben an Chriſtum, den Verſöhner, gerecht und ſelig." Aber Schleiermacher verſteht geſchickt zu überſetzen. Bald auch bewundert man (Gaß, Herzog. 547) eine Dar⸗ ſtellung der Eigenſchaften Gottes als Vorſtellungen von Gott, aber man ſehe nur genau die Lehre unſerer alten Theologen an über die Frage, ob Gottes Eigenſchaften etwas Wirkliches oder nur etwas Gedachtes ſind, und man wird ſich wundern. Ganz beſonders wird Schleiermacher gerühmt als der, welcher das wahre Weſen des Chriſtenthums als Religion ans Licht ge⸗ bracht hat. Gaß (a. a. O. 575) ſagt: „Schleiermacher wollte entſchieden