# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 39 geben, welcher eine eindringliche Predigt wider die Abwege des menſchlichen Verſtandes in der Moral gehalten hat über den Text: Schaue das, ich habe gefunden, daß Gott den Menſchen aufrichtig gemacht, aber ſie ſuchen viele Künſte." (Pred. Sal. 7, 30.) So auch Prof. Bender (in: Schleier⸗ machers Theologie, 1876, I. II.), der auf die Täuſcherei und Gaukelei von Schleiermacher bei Beſprechung der Lehre von der Kirche und Erwählung hinweiſt (II, 507) mit den Worten: „Einen andern Sinn kann man, durch die Anlehnung Schleiermachers an die kirchlichen Ausdrücke getäuſcht, in dieſe Erwählungslehre eintragen." — Alſo, wer nach den kirchlichen Ausdrücken, die Schleiermacher in ſeinen Lehrparagraphen bringt, ſich etwas Bibliſcheres denkt, der trägt damit etwas hinein, was Schleier⸗ macher ſelbſt gar nicht hineinlegt. — Daß unſer Urtheil richtig iſt, wird aus Folgendem klar werden. Schleiermacher nennt ſeine Glaubenslehre eine Lehre nach den Grundſätzen des Evangeliums. Das Evangelium aber iſt die Botſchaft von Chriſto. Man ſehe nun in die Glaubenslehre Schleiermachers hinein und ſchaue, was für ein Chriſtus da vor⸗ geſtellt wird. So heißt es II, § 93, 3. von der Perſon Chriſti: „Wollte man dieſe Abhängigkeit der Entwicklung von der Umgebung leugnen, ſo müßte man folgerichtiger Weiſe eine empiriſche Allwiſſenheit in Chriſto annehmen. . . . Dieſelbe Allwiſſenheit Chriſti müßte man auch in Bezug auf die verſchiedenen menſchlichen Verhältniſſe und deren Behandlung an⸗ nehmen. Die wahre Menſchheit ginge aber ſelbſt hierbei verloren." § 94: „Der Erlöſer iſt ſonach allen Menſchen gleich vermöge der Selbſtigkeit der⸗ ſelben Natur, von allen aber verſchieden durch die ſtetige Kräftigkeit ſeines Gottesbewußtſeins, welche ein eigentliches Sein Gottes in ihm war." Was aber von dem Sein Gottes in Chriſto zu halten ſei, ſagt § 95: „Die kirch⸗ lichen Formeln von der Perſon Chriſti bedürfen einer fortgeſetzten kritiſchen Behandlung." Dieſe kirchlichen Formeln von der wahren Gottheit Chriſti ſind nach Schleiermachers Anſicht nur aus Streitigkeiten hervorgegangen. Durch ſie mußte die Lehre von Chriſti Perſon und Gottheit überladen werden mit einer Menge von Beſtimmungen, welche in gar keinem andern als durch die Geſchichte des Streits nachweislichem Verhältniß zu dem unmittelbaren chriſtlichen Bewußtſein ſtehen. § 96: „In JEſu Chriſto waren die gött⸗ liche Natur und die menſchliche Natur zu einer Perſon verknüpft." Nach Schleiermacher brauchen wir alſo eine Allwiſſenheit Chriſti nicht zu glauben; denn das hat nach ſeiner wahrhaft erſchreckenden Verblendung für uns keinen Werth. Das kräftige Bewußtſein Gottes, das Chriſtus in ſeinem Herzen hatte, war ſeine göttliche Natur. Den Chriſtus des Coloſſerbriefes, einen Chriſtus von ewigem Sein, kennt Schleiermacher nicht. Die alten frommen Kirchenlehrer und Bekenntniſſe, die unter Chriſti göttlicher Natur ſeine ewige Natur verſtanden und bekannt haben, haben nur eine große Verwirrung an⸗ gerichtet. „Die neuteſtamentliche Schrift kennt dieſen Gebrauch gar nicht", ſagt Schleiermacher, „ja auch den Ausdruck Sohn Gottes braucht die⸗