# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 37 B. Die feine Schwarmgeiſterei. 1. Die ſpeculative Schwarmgeiſterei. Was iſt ſpeculative Schwarmgeiſterei? Speculation iſt ſo viel als Ergründung oder Erforſchung einer Sache, um derſelben recht inne zu werden und ſie geiſtig recht zu beſitzen. Auch Gott iſt Gegenſtand der Speculation geworden. Man wollte Gott haben, ſein gewiß werden. Das iſt an und für ſich ein gutes Ziel; Gott will es ja auch haben, daß wir ſagen können: Du in mir, und ich in dir. Aber unſern Weg will Gott nicht; er kennt nur einen Weg zu ſeiner Erforſchung und Erkenntniß, und das iſt die heilige Schrift. Jeder andere Weg, Gott finden und ſein gewiß werden zu wollen, iſt Gott zuwider, iſt Schwarmgeiſterei. Die ſpeculative Schwarmgeiſterei will nun Gott ſchauen nicht im Spiegel des Wortes außer uns, ſondern im Spiegel des Gottesbewußtſeins in uns. Zwei Geſtalten dieſer Schwärmerei laſſen ſich wohl unterſcheiden. a. Die myſtiſche Schwarmgeiſterei. Speculation iſt ſie auch, das heißt, Erforſchung Gottes, Eindringen in das ewige, unermeßliche Licht. Hier beſteht die Methode oder der Weg der Erforſchung darin, daß man das Ich von allen Dingen abwendet und ſich betrachtend verſenkt in das Weſen Gottes, das ſich vermeintlich im Bewußtſein ſpiegelt. Das ſtille, zuletzt alles Denken ausſchließende Sich⸗Umſtrahlen⸗Laſſen von dem innern Licht, das iſt der Weg der Myſtik, von deren Verwerflichkeit wir ſchon geredet haben. b. Die dialectiſche und entwickelnde Schwarmgeiſterei. Hier iſt die Methode dieſe, daß der denkende Geiſt ſein in ihm vorhandenes Gottesbewußtſein in ſeine Theile ſich zerlegen und auflöſen läßt und in ſeinen Beziehungen nach allen Seiten hin offenbar werden läßt. Dabei ſoll dasſelbe einmal eine nöthige Läuterung erfahren und zugleich in wahrhaft angemeſſener Weiſe ſeine Gewißheit im Bewußtſein bekommen. Bibliſch einfach geredet ſoll das ſo viel ſagen, als: Auf dieſe Weiſe kommt der Menſch zu einem recht bewußten Geiſtesleben, zu wahrer Glaubensinnigkeit und rechter Frömmigkeit. Und das heißen wir Schwarmgeiſterei, und zwar mit Recht. Das kann ſchon von vornherein erkannt werden. Man denke, daß die Speculation zu einer Reinigung des Gottesbewußtſeins führen ſoll. Was iſt denn nun der Maßſtab für ſolches Reinigungswerk? Ja, wieder das Bewußtſein. Das heißt doch recht vom Pontius an den Pilatus appel⸗ liren. Die Scholaſtiker des Mittelalters wollten bekanntlich — und das war der Nerv ihrer Theologie — zwiſchen zwei Dingen vermitteln, nämlich zwiſchen Philoſophie und Schrift, zwiſchen Vernunft und Offenbarung, zwiſchen Kirche und Welt. Viel energiſcher wurde dies verſucht von dem vielgenannten Schleiermacher, den wir den Vater der dialectiſchen Schwarm⸗ geiſterei nennen können. Schleiermacher erforſchte ſein Gottesbewußtſein,