# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung ſich auch, warum Schwenckfeldt hoch und ſtreng gehalten hat auf kirchliche Zucht. Dieſe galt nämlich in ſeinen Augen als ein Mittel, den Menſchen aller Dinge ledig und vom Fleiſche frei zu machen, ſo daß derſelbe der inneren Stille obliegen kann. Schwenckfeldt hat noch andere ungeheuer⸗ liche Dinge gelehrt, die aber weſentlich auch aus alten Zeiten ſtammen. Z. B.: Chriſtus ſei Menſch geworden, indem Maria eine himmliſche Menſch⸗ heit empfangen habe; durch die Wiedergeburt werden wir nun verſetzt in Chriſti himmliſche Natur. Schwenckfeldt hat die Kirche nicht zerſchlagen und ändern wollen nach der ſtürmiſchen Weiſe Münzers und Carlſtadts, ſondern zog ſich mit den Seinen von der Kirche zurück. Das nannte er Stillſtand, die Anhänger Stillſtänder. Hier haben wir alſo die Sepa⸗ ration, die Separatiſten. Nicht eine Separation, da man von den Gott⸗ loſen weicht, um ſich der Gemeinde Gottes anzuſchließen; auch nicht eine Separation, da man von falſchen Lehrern und falſchgläubigen Kirchen weicht um der Wahrheit willen; ſondern eine Separation von der rechtgläubigen Kirche, um eine heiligere und frömmere Kirchengemeinſchaft zu gründen. Und das iſt Schwärmerei. Das Wildausartende bei Schwenckfeldt wird auch in der von ihm gelehrten Freiheit der Wiedergebornen offenbar, wonach er den Wiedergebornen die Freiheit der Lehre fordert. Jeder ſoll lehren dürfen, wie er will; der Geiſt ſoll nicht gebunden ſein. Der Menſch ſelbſt iſt aufs völligſte das Maß aller Dinge. Das iſt doch die wildeſte Ausartung der Schwarmgeiſterei. 3. Die geiſtleugnende Schwarmgeiſterei. Damit bezeichnen wir den gemeinen Rationalismus. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts haben Vernünftler in der Kirche bald ſchwächer bald ſtärker als Quelle und Richterin der Religionen die Vernunft allein aufgeſtellt. Viel wurde geſtritten, ob es eine übernatürlich geoffenbarte Schrift geben könne. Die heilige Schrift in unſerm Beſitze iſt wie jede an⸗ dere Schrift, die Vernunft muß daraus die Religion dictiren. Wir nennen dieſe Ueberhebung der Vernunft die geiſtleugnende Schwarmgeiſterei. Warum? Weil die alten Rationaliſten ſehr empfindlich waren in Bezug auf Erinnerung an die Lehre der Kirche vom Heiligen Geiſt. Es war ihnen ſehr zuwider die Lehre nicht bloß von der Perſon des Heiligen Geiſtes, ſon⸗ dern auch von ſeinen Werken, von ſeiner Erleuchtung und Bekehrung. Den Kirchenzuſtand, das heißt, die äußerliche Geſtalt der Gemeinde haben ſie noch gehabt; allein es war ihnen die Gemeinde kein Leib Chriſti mehr, ſon⸗ dern ein freier Verein denkender Liebhaber Chriſti. Alles andere war ihnen verwerflicher Myſticismus. Semler, der Vater der deutſchen Rationaliſten, ſagt: Was im Evangelio vom Reiche Gottes geſagt iſt, iſt nur eine jüdiſche Localidee.