# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung nach der Fülle ſeiner Einſicht, und machen dürfen nach ſeiner Plenipotenz, ſollen nach dem Tridentinum ſtreng beſtraft werden, weil ſie ſich zweier Sünden ſchuldig machen. Nämlich einmal des Muthwillens (petulantia), die Schrift ſelbſt auslegen zu wollen, und zum andern der Unklugheit (im- prudentia); denn wenn ſie die Schrift ſelbſt auslegen wollten, könnten ſie nur die Schrift verdrehen, weil ſie nicht deuten würden nach dem Sinn der Kirche, das iſt, des Pabſtes." Daß endlich des Widerchriſts Ausſprüche, Auslegungen, Erlaſſe und Decrete mit völliger Zuverſicht wie Gottes Ausſprüche aufgenommen werden können, weil er nicht irren könne, weil er infallibel ſei, ſagen die Papiſten auch ganz unumwunden aus. Aber dafür brauchen wir nicht die Stimmen der römiſchen Hierarchie aus lang vergangenen Zeiten zu ſammeln, wir wollen nur auf das im Jahre 1870 gehaltene Concilium Vaticanum hin⸗ weiſen. Dieſes hat in der Constitut. Dogmat. I Pastor aeternus die Unfehlbarkeit des ex cathedra lehrenden Pabſtes proclamirt und zugleich den Ausdruck ex cathedra erklärt: „Wenn er das Amt des Hirten und Lehrers aller Chriſten verwaltend, nach ſeiner höchſten apoſtoliſchen Auto⸗ rität die Lehre vom Glauben und Sitten beſtimmt (definit), wie ſolche von der Geſammtkirche gehalten werden muß." So haben wir alſo bewieſen aus den Schriften der Papiſten, daß ſie ſelbſt ihr Widerchriſtenthum characteriſiren als das, wofür Luther und unſere Bekenntnißſchriften es hinſtellen, daß dasſelbe nämlich eitel Enthuſiasmus, eitel Schwarmgeiſterei ſei. Im Großen und Ganzen ſteht es in der Pabſt⸗ kirche ſo, daß dieſelbe in Kirche, Schule und Haus allerlei Werke und Cere⸗ monien, Gebetbücher und Bilder hat, aber in der Kirche keine Schriftpredigt und im Hauſe keine Bibel. Das Pabſtthum kann auskommen in der Kirche, Schule und Haus ohne Gottes Wort. 2. Die wildausartende Schwarmgeiſterei. Unter wildausartend verſtehen wir, daß ſie ausartet in wildes, greu⸗ liches Fleiſchesweſen. a. Brüder vom freien Geiſt im 13. und 14. Jahrhundert. Sie ſind die hellen Pantheiſten. Sie behaupten: Die Geſammtheit der Men⸗ ſchen und Gott ſind eins und dasſelbe. Und daß ein Menſch dies nicht weiß, das iſt die Sünde; wird man ſich dagegen deſſen bewußt, das iſt die Erlöſung und ſo hat man die rechte Theologie, Geiſt und Frömmigkeit. Die Schrifttugenden ſind nichts, bloß das Leben der Brüder vom freien Geiſt iſt fromm und darf nicht gerichtet werden, ſelbſt ihre Unzucht nicht. Ihre Schwarmgeiſterei iſt genommen von Amalrich von Bena, welcher ſagte: Gott muß Menſch werden; Gott wurde Menſch in Abraham nach ſeiner Gerechtigkeit, in Chriſto nach ſeiner Barmherzigkeit und Güte. In mir Amalrich iſt endlich der Heilige Geiſt Menſch geworden, und wer durch Speculation wird wie ich, iſt ein Geiſtes⸗Menſch und ohne Sünde.