# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung und doch iſt es eine Gotteskraft, die den ſeligmachenden Glauben ſchafft. Das Evangelium iſt unfaßbar für die menſchliche Vernunft, und doch macht ſich das tiefe Geheimniß verſtändlich der menſchlichen Vernunft. Das Evan⸗ gelium widerſtrebt dem Menſchen, und doch iſt das Evangelium das Mittel, das den tiefwiderſtrebenden Menſchen gehorſam macht. Was iſt alſo ſo wunderbar, wie das göttliche Wort? Die feinſten Samenkörner enthalten einen Keim, daraus bei rechter Pflege ein großer Baum wächſt. Darin liegt ein Geheimniß, welches bis jetzt kein Phyſiolog, kein Mann der Wiſſen⸗ ſchaft erklärt hat. „HErr, wie ſind deine Werke ſo groß", müſſen wir ſchon hierbei mit dem Pſalmiſten ausrufen. Aber wie unendlichmal größer iſt das Werk des Wortes, durch deſſen Samen auch der ganze von ihm erfaßte Boden umgewandelt wird! Nun verſtehen wir, warum der Pſalmiſt aus⸗ ruft: „Oeffne mir die Augen, daß ich ſehe die Wunder an deinem Geſetz." Und abermals: „HErr, du haſt deinen Namen über alles herrlich ge⸗ macht durch dein Wort. Es danken dir, HErr, alle Könige auf Erden, daß ſie hören das Wort deines Mundes." Die Schwarmgeiſterei aber ſpricht: Was iſt da hoch zu danken? Es iſt nichts mit dem Wort der Schrift, ja, Bibel, Bubel, Babel! haben ſie zu Luthers Zeit geſagt und ſagen es noch. Das Lied unſerer Kirche jedoch iſt das Lob der göttlichen Weisheit, die wir gerade in der Gabe des göttlichen Worts von Herzen bewundern. — b. Ferner iſt die Schwarmgeiſterei ein ſo greuliches Uebel, weil die Schwärmer ſich aufs frechſte zu Herren in der Kirche machen und das Wort bei Seite ſchieben. Während der HErr ſagt: Alles in meiner Ge⸗ meinde nach dem Wort und durch das Wort der Schrift, welche Herrin ſein ſoll; ſagen die Schwärmer: Das iſt nicht die Ordnung, die etwas nützt; ſondern, was wir ſetzen, ſoll gelten. Damit aber nehmen ſie Gott die Herr⸗ ſchaft in ſeiner Kirche. Auch dies bezeugt Luther (XIX, 434): „Weiter ſagen ſie: Was iſt's noth, daß Chriſti Leib im Sacrament ſei? Kann doch der Glaube wohl ohne dasſelbige durchs Evangelium, ſo ſonſt gepredigt wird, geſtärkt werden. Das iſt recht; da wollen wir Gott abermal für Ge⸗ richt führen und ihm für die Naſen halten, was ihn Noth angehe, oder was wir's bedürfen, daß er uns ſolch ſein Wort und Werk fürhält? Will er uns nun zu Narren machen, als die wir ſelbſt nicht ſowohl wüßten, was uns und ihm noth ſei, als er? meint er, ob er gleich ein Gott ſei, daß er darum allein weiſe ſei, und wolle uns, die Geiſtlichen, meiſtern? . . . Das iſt die andere greuliche Läſterung Oekolampads. Denn wer da fragt, wozu es noth ſei, was Gott redet oder thut, der will ja über Gott hin, klüger und beſſer denn Gott ſein. Das iſt der recht Münzeriſche Geiſt." Zugleich iſt es auch der Verſuch einer ſataniſchen Vergewal⸗ tigung Gottes. Die Schwarmgeiſterei rühmt ſich, gerade in ihren Wegen und durch ihre Weiſe Gott zu ſich zu ziehen. Sie ſind Gottes mächtig und haben ihn und bei ihnen muß er ſich auch beweiſen. Luther läßt ſie ſich alſo rühmen (IX, 431): „Die Rottengeiſter ſagen: Die Schriftgelehr⸗