# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung den: „Siehe, hie iſt Chriſtus, ſiehe, da iſt er", und mit einem Citat aus Luther belegt, dahinlautend, daß die Schwärmer ſagen würden, nicht in der Kirche und Gemeinde beim Wort, ſondern in der Stille auf dem Feld und in der Kammer iſt Chriſtus zu finden. „‚Siehe, hie iſt Chriſtus, ſiehe, da iſt Chriſtus. Siehe, er iſt in der Wüſten; ſiehe, er iſt in der Kammer.' Denn warum ſind Mönche und Nonnen ins Kloſter gelaufen? Warum iſt der ein Pfaff, jener ein Einſiedler worden? Warum iſt man Wallfahrten gangen? Warum hat man Meſſe geleſen, gehöret, geſtiftet? Darum, daß alle Welt beredt war, man würde Chriſtum, das iſt Gottes Gnade, Ver⸗ gebung der Sünden, das ewige Leben und die Seligkeit alſo finden. Darum warnet Chriſtus am allermeiſten wider den Widerchriſt, der keinen an⸗ dern Chriſtum machet, noch Chriſtum verleugnet, wie der Türke, und den⸗ noch durch falſche Lehre vom rechten Chriſto auf die Creatur und eigene Werke weiſet." (XVI, 46.) „Wenn jemand ein Mönch wurde, von dem⸗ ſelben ſagte man, er wäre neu geboren, und ward die Möncherei weit über die Taufe gehaben" (XVI, 527). Wir haben hiermit ſchon etwas Beleg gebracht für die Erfüllung der Weiſſagung des HErrn und ſeines Apoſtels, daß bis zum jüngſten Tage die Kirche von dem Uebel der Schwarmgeiſterei in der allergefährlichſten Weiſe werde heimgeſucht werden. Wir wollen aber auch noch andere Belege aus der Zeit der alten Kirche bringen. Gedenken wir zuerſt des Montanismus, der von Montanus in der Mitte des zweiten Jahrhunderts den Namen führt und in Tertullian zu Anfang des dritten Jahrhunderts den berühmteſten Vertreter hatte. An Stelle der Schrift tritt als unbedingte Autorität bei Montanus eine un⸗ mittelbare ekſtatiſche Prophetie. Gott ſelbſt kommt auf den Menſchen und gibt durch ihn die Offenbarung, wobei ſich der Menſch ganz leidend (ja be⸗ wußtlos) verhält, wie das Inſtrument, Harfe oder ähnliches in der Hand des Spielenden. Dieſe ſogenannte Prophetie ſoll ſein die Erfüllung der Weiſſagungen Chriſti von dem Parakleten oder Tröſter. Wir wollen nur hinweiſen auf das chiliaſtiſche Weltreich, das höhere Geiſtesleben, nament⸗ lich die höhere Sittlichkeit und ſtrenge Askeſe, womit Montanus die Kirche beglücken und überfluthen wollte. Hervorheben aber wollen wir, daß Ter⸗ tullian zwar auch am Chiliasmus und an der ekſtatiſchen Prophetie hängt, aber vorſichtiger als Montanus hervorhebt, daß die neue Prophetie doch nichts Neues zu lehren hat in Bezug auf Glaubenslehre — dieſe hatte eben für Tertullian wenig Intereſſe, wie bei allen Asketen — ſondern in Bezug auf die Sittenlehre, in Bezug auf das Leben. Mit Chriſto ſelbſt iſt die Kirche aus der erſten ſehr unvollkommenen Stufe, der der Kindheit, in die vollkommenere Stufe der Jugend getreten. Aus dieſer immerhin auch noch unvollkommenen Stufe der Jugend iſt aber die Kirche mit dem Kommen des von Chriſto verheißenen Tröſters in die vollkommene Stufe des Mannesalters getreten. Nun bringt der Tröſter oder Paraklet die Vor⸗