# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung ſie den wahren Kern des ganzen Alten Teſtamentes. Sie wollten Söhne Abrahams ſein, das wahre Iſrael, aber das ſoll die Werkerei ausrichten, denn von rechten Werken wiſſen ſie nichts, Matth. 23, 23. Ihre Werkerei war auch nicht einmal eine, die ihr Muſter nur aus dem Geſetz Gottes nahm, ſondern die eine neue Heiligkeit und Gerechtigkeit mit mancherlei eigenen Fündlein von Zehnten, von Waſchungen, von Gebetszeiten ꝛc. zu⸗ wege bringen will, Matth. 23, 16. ff. Luc. 11, 38. 39. 42. Es ſollte eine ausbündige Heiligkeit zuwege gebracht werden. Die Widerſacher des HErrn redeten auch vom Reich Gottes, und ſehr reichlich, und warte⸗ ten darauf mit dem ganzen Volk. Aber das iſt nicht das nach ihrer Mei⸗ nung armſelige Reich Gottes, das Chriſtus predigte, dies Reich ohne alle äußerliche Geberde; dies Reich, deſſen Kinder nicht widerſtreben ſollen dem Uebel — deſſen Kinder wohl aller Welt Fegopfer, aber doch ſelig ſind, dieweil innen in ihnen iſt das herrliche Reich Gottes: Friede und Freude im Heiligen Geiſt. Sie treiben es auch wieder weit höher mit dem Geiſt; zu einem ſichtbaren Reich wollen ſie es bringen, wo ſtatt des Unrecht⸗Leidens und Rock⸗Laſſens der jüdiſche Patriotismus regiert; wo es nicht heißt: Gebet dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt, ſondern: Wir ſetzen allen den Fuß auf den Nacken. Und wer dieſe Weiſe, Iſrael glücklich zu machen, annimmt, der iſt ein Kind des Reichs; wer ſolche Predigt hört und glaubt, als das höchſte Hauptſtück (Matth. 22, 17. und Joh. 8, 33.), der iſt ein rechter Iſraelit und hat den Geiſt. Nach großen Dingen das Maul wäſſerig machen, wie Lutherus es bezeichnet, hat die Widerſacher Chriſti die Schwarmgeiſterei gelehrt. — Hören wir die Apoſtel. St. Paulus hat gewiß das Evangelium ge⸗ predigt. Und doch hatte er es mit Widerſachern zu thun, die aufgeblaſen waren in Weisheitsdünkel und angeblich beſonderer Geiſteserkenntniß und den rechten Chriſten das Ziel verrückten (Col. 2, 19.), das heißt, ihnen ein ander Ziel angaben. Seine Widerſacher ſprachen: Paulus verſteht es nicht, wir aber haben Geiſtesoffenbarungen, können uns einer andern Kunſt des Geiſtes rühmen; wir haben eine beſſere, gar andere, hohe Dinge ausrich⸗ tende Predigt (1 Tim. 6, 20. 21.), da bringt ihr es mit zu einer Geiſt⸗ lichkeit, Weltverleugnung, Weltüberwindung, Welterhabenheit gleich den Engeln (Col. 2, 18. 23.). Die Schwarmgeiſter behaupteten alſo gegen Paulum: Seine Lehre nützt nichts, durch unſere Lehre kommt ihr zu einer engelreinen Heiligkeit ſchon in dieſem Leben. St. Paulus konnte mit Recht (Apoſt. 20.) ſagen: „Ich habe das Reich Gottes gepredigt"; aber die ver⸗ kehrten Leute ſagten: Sein Reich und Evangelium iſt ein Bettel, nur wir lehren die Vollkommenheit. Wenn man Paulus und ſeine Gegner nach den Mittheilungen der Apoſtel anſieht, ſo hat man das Vorbild des Schau⸗ ſpiels, welches ſich zur Zeit der Reformation abſpielte, wo Münzer, vom Thron ſeiner neuen Geiſtlichkeit hoch herabſehend auf Luther, in dem Titel einer ſeiner Schriften von Luther in dieſer Art redete: „Hochverurſachte