# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 19 Die Schwarmgeiſter aber zu Jeruſalem und Ephraim ſagten 28, 10.: „Ge⸗ biete hin, gebiete her"; was nützt es uns. Gott ſagt wohl V. 12., daß man durch ſeine Predigt Ruhe hat und die Müden erquickt; aber wir haben ſelbſt beſſern Weg ausfindig gemacht, alles Unglück abzuwenden, Tod und Hölle und alles Verderben unſchädlich zu machen und alles Gut und Heil uns zuzuwenden (V. 15.). Jeremias 23, 10. ff. gibt ein überaus lebendiges Bild der Schwarm⸗ geiſterei in der Beſchreibung der falſchen Propheten. Dieſe ſuchten, laut des ganzen Zuſammenhangs, die alte göttliche Zucht in Iſrael abzuthun (V. 32.), weil ihnen dieſe, wie vielfach den Schwärmern, als ein unter⸗ geordneter, geſetzlicher, des Geiſtes unwürdiger Zuſtand erſchien. Statt der alten göttlichen Zucht wollten ſie ein Leben in einer höheren Freiheit, das heißt in Wahrheit, einer Freiheit nach des Herzens Gelüſte (V. 14.) einführen und dabei doch zugleich das Volk gewiß machen, daß es recht Gottes Volk ſei, nichts zu fürchten habe, gerade auf dem rechten Wege ſei (V. 17.). Es iſt immer wieder das Münzerſche: Wir müſſen es höher treiben mit dem Geiſt! „Siehe, ich will an die Propheten, ſpricht der HErr, die ihr eigen Wort führen und ſprechen: Er hat es geſagt" (V. 31.). Man wußte zu Jeruſalem wohl: Eigentlich muß der HErr ſagen, was gelten ſoll im Glauben und Leben. Darum gingen die falſchen Propheten ſo zuwege, daß ſie ſagten: Der HErr habe im Traum mit ihnen geredet, im Traum ihnen das Wort befohlen, das ſie redeten. Darum ruft ihnen der HErr durch ſeinen rechten Propheten Jeremias zu: „Siehe, ich will an die, ſo falſche Träume weiſſagen und predigen dieſelben und verführen mein Volk mit ihren Lügen und loſen Theidingen; ſo ich ſie doch nicht geſandt, und ihnen nichts befohlen habe, und ſie auch dieſem Volke nichts nütze ſind, ſpricht der HErr." Derſelbe böſe Geiſt, der zu Luthers Zeit ſchrie: Geiſt, Geiſt, Geiſt! — ſchrie zu Jeremias' Zeit: Mir hat geträumt, mir hat ge⸗ träumt, der HErr hat's im Traum geſagt! — Dieſe Stellen zeigen alle, wie das Sich⸗Selbſt⸗Regieren der Charak⸗ ter der Schwarmgeiſterei iſt. Wenn Gott ſagt: Das iſt nöthig, ſo ſagt der Schwärmer: Das iſt frei. Sagt Gott: „Laßt euch kein Gewiſſen machen", ſo ſagen die Schwärmer: Beſudele ja dein Gewiſſen nicht damit, daß du dir kein Gewiſſen machen läßt. Zugleich haben wir in dieſen, einen langen Zeitraum deckenden Zeugniſſen den Beweis dafür, daß die Schwarmgeiſterei ein gemeinſames Uebel der Kirche aller Zeiten war. — Wir haben, in die Zeit der Apoſtel uns verſetzend, von 2 Petr. 2, 1. aus einen Rückblick auf die Zeit des alten Teſtaments gethan, thun wir nun, ebenda ſtehen bleibend, mit der Schrift neuen Teſtaments einen Blick auf die damalige Gegenwart. Unſer lieber Heiland hat ſelbſt das Wort Gottes und das Reich Gottes gepredigt. Ihm gegenüber ſtand ein Geſchlecht, das wohl die Autorität der Schrift anerkannte — aber doch, wie verachteten