# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1894. 11 weile, Studirung, Verſuchung, ausgedrückte Entblößung. Mün⸗ zer war mit Schriften der Myſtiker bekannt. Er ſagt ſelbſt, er habe Joachim von Floris, Suſo, Tauler geleſen. Es iſt bei ihm alles noch verworrener und verſchwommener als bei ſeinen am weiteſten in Myſticismus verfallen⸗ den Lehrmeiſtern. Was er Studirung nennt, das iſt bei ſeinen Lehr⸗ meiſtern die Meditation, ein noch erkenntnißmäßiges Nachdenken über Gott und göttliche Dinge. Was er Langweile nennt, iſt die Contem⸗ plation der Myſtiker, wo kein nüchternes Denken, ſondern entzücktes An⸗ ſchauen Gottes ſtatthat. Aber der höchſte Grad iſt, was Luther die völlige Entleerung, Münzer die ausgedrückte Entblößung, die Myſtiker die innere Mortification, Molinos innere Abſtraction nannten, wo man von allem denkenden Eindringen in Gott und von allem bewußt praktiſchen Ver⸗ langen nach Gott Abſtand nimmt — die völlige Unterdrückung des Ich ꝛc. — wo man in einem bewußtloſen Hinſtarren Gottes wartet, nach Ruys⸗ bröcks Beſchreibung. Hier begegnet ihm Gott ohne Mittel. Aus Gottes Einheit ſtrömt ihm ein einfaches Licht, ſo lehrten ſchon die Heſychaſten, das ſich als Dunkel, Nacktheit, Nichts darſtellt. Im Dunkel verliert der Menſch allen Modus und ſchweift wie irrend. In der Nacktheit (Münzers Ent⸗ blößung) verliert der Menſch alle Betrachtung und allen Unterſchied. Bei allen Myſtikern und Schwärmern geht der Ueberſchwang des Gefühls mit dem nüchternen Denken durch. Alle Schwärmereien ſind Schlangen, wo die eine bald ſchöner ſchillert als die andere, aber giftige Schlangen ſind ſie alle und ſtimmen endlich überein in der Irrlehre: Gott nicht ohne mich, ich nicht ohne Gott. Man kann auch die dunklen Orakeleien der Schwarm⸗ geiſter nicht auf klare Definitionen bringen, man kann nur ihre Phantaſien wiederholen und ungefähr den Sinn beſtimmen. Zumal ein geſunder Chriſt, der, Gott ſei Dank, in jenen myſtiſchen Nebel nicht gerathen iſt, noch in der Langweile geſtanden, wie Carlſtadt von ſich rühmte, der kann ſich keine Vorſtellung von dieſen Phantaſien machen. Dem Geſagten entſprechend beſchreibt Luther die Langweile: „Ein Rottengeiſt lauft in einen Winkel, thut das Maul zu, muß nicht leſen noch hören, ſondern wartet, bis unſer HErr Gott mit ihm redet, und wartet auf den Geiſt und ſpricht: ‚O, dieſes iſt von Gott gelehret ſein.'" (IX, 590.) Und abermals: „Dawider ſind die Schwarmgeiſter, wenn ſie hören, daß allhier geſagt wird: ‚Wenn euch der Vater nicht zieht, ſo könnt ihr nicht zu mir kommen.' Die verachten denn das äußerliche Wort, wollen es gar wegnehmen und fahren laſſen, und machen, daß man auf das Wort nicht will Acht haben, das Chriſtus doch ſelber mit ſeinem Munde geredet hat; ſondern man ſoll in einen Winkel kriechen, das Haupt in die Hände faſſen, ſpeculiren, und von Gott forſchen, auf daß ſie für dem Wort und ohne das Wort gezogen würden." (IX, 587.) Aller Schwarmgeiſterei zuwider iſt Luthers Grundſatz: Geiſt nur durch Schrift. „Siehſtu da den Teufel, den Feind göttlicher Ordnung? Wie er dir mit den Worten Geiſt, Geiſt, Geiſt! das Maul aufſperret und doch da⸗