# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1894_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Verhandlungen der fünfzehnten Verſammlung wenn auch nicht immer in derſelben Wuth und mit denſelben äußerlichen Symptomen graſſirend. In Bezug auf den Ausdruck Schwarmgeiſterei iſt zu ſagen, daß uns die Schrift zwar nicht eine formulirte Definition dieſes Begriffes gibt, wohl aber an vielen Orten eine Beſchreibung der Sache. Schwarmgeiſterei iſt ein Kirchenwort. Luther, bei dem man keinerlei ſchwärmeriſche Ader findet, redet aufs reichlichſte von Schwärmern, Schwarmgeiſtern, Schwärmer⸗ Geiſtern, auch Geiſt⸗Schwärmern. Auch bringt er charakteriſirende Züge aus Ausſprüchen von Kirchenvätern bei. So z. B. einen des Baſilius des Großen: daß die Schwärmer mit den Zungen wie die Bienen ſchwärmen. Die alten griechiſchen und römiſchen Kirchenlehrer brauchten zur Bezeichnung der Leute namentlich das Wort Enthuſiaſten, auch Phantaſten. Die Römiſchen gebrauchen auch das Wort Fanatiker. Beide Ausdrücke finden ſich natürlich in den lateiniſchen kirchlichen Schrif⸗ ten unſerer lutheriſchen Kirche. Die Apologie redet in ihrem 13. Artikel von fanatiſchen Menſchen, die da lehren wie die alten Enthuſiaſten. Ebenſo der 3. Theil der Schmalkaldiſchen Artikel. Wie in den Bekenntniß⸗ ſchriften, ſo finden wir den Ausdruck auch gebraucht in den Privatſchriften. Luther braucht als gleichbedeutend auch die Ausdrücke: Rotten, Rotten⸗ geiſter, himmliſche Propheten, Sacramentirer, Wiedertäufer; auch nach ihren Führern: Schwenkfeldtianer, Zwinglianer ꝛc. In ſeinem letzten Be⸗ kenntniß vom heiligen Abendmahl zeigt er, daß er ſie weſentlich gleichhält. Er ſagt: „Ich rechne ſie alle in einen Kuchen, das iſt, für Sacramentirer und Schwärmer." Man kann fragen, worauf wohl Luther das Schwärmen bezieht. Es könnte ſcheinen, als ob er es auf die große Menge beziehe, in welcher ſie durch die Welt ſchwärmen ohne feſten Ort und Sitz. So ſagt Luther an einer Stelle, Paulus hebe 1 Cor. 15, 3. ſo gefliſſentlich die Schrift hervor, daß er den tollen Geiſtern wehre, ſo die Schrift und äußer⸗ liche Predigt verachten und dafür andere himmliſche Offenbarung ſuchen, „wie es jetzt allenthalben ſchwärmet von ſolchen Geiſtern durch den Teufel zerrüttet". Und in der Auslegung des 5. und 7. Capitels St. Mat⸗ thäi führt er ja auch als ein ſehr deutliches Kennzeichen der Schwärmer und falſchen Prediger auf, daß ſie ohne feſtes Kirchſpiel, darin ſie durch gött⸗ lichen Beruf ſtehen, in der Welt herumſchwärmen und durch alle Kirchſpiele ſchleichen: „Die ſo ohne Amt und Befehl herfahren, ſind Landſtreicher." (Leipz. Ausg. IX, 307.) Allein eine ſo äußerliche Beziehung gibt doch wohl Luther im Ernſt dem „ſchwärmen" nicht. In der oben angeführten Stelle zu 1 Cor. 15, 3. haben wir wohl nur eine gelegentliche Anſpielung. Wir haben vorhin ge⸗ hört, daß Luther ſich auf den Ausſpruch des Baſilius über die Schwärmer bezieht: „Sie ſchwärmen mit ihren Zungen wie die Bienen." Man hat dies verſtanden von dem Wogen der Gefühle, von denen die Schwär⸗