# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 01_S107 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Jer Cutheraner. * BHin His εν „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Jahrgang 3. Herausgegeben von C. F. W. Walther. St. Louis, Mo., den 1. Juni 1847. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Excerpte aus Luthers Schriften über den Wucher.“) (Siehe? Luth. Werke. Hall. A. Tom. X.) I. Aus Luthers: „Großer Sermon vom Wucher.“ Vom Jahr 1519. „Zum erſten iſt zu wiſſen, daß zu unſern Zeiten (welche der Apoſtel Paulus 2 Tim. 3, J. verkündiget hat, daß ſie „gefährlich“ ſein wer— den,) der Geiz und Wucher nicht allein in aller Welt eingeriſſen, ſondern auch ſich unter— ſtanden hat, etliche Schanddeckel zu ſuchen, darunter er, für billig geachtet, ſeine Bosheit frei möchte treiben. Und iſt darüber faſt dahin kommen, daß wir das heil. Evangelium faſt für nichts achten. Deshalb es noth iſt einem jeglichen Meuſchen in dieſer gefährlichen Zeit, ſich wohl vorzuſehen, und in den Händeln zeit— licher Güter mit rechtem Unterſcheid wandeln, mit fleißigem Aufmerken des heil. Evangelii Chriſti, unſers HErrn. Zum andern iſt zu wiſſen, daß drei un⸗ terſchiedliche Grade und Orden ſind,, wohl und verdienſtlich zu handeln mit den zeit— lichen Gütern. Der erſte, ſo uns jemand etwas zeitlicher Güter nimmt mit Gewalt, ſol— len wir's nicht allein fahren laſſen; ſondern auch bereit ſein, ſo er mehr nehmen wollte, daſſelbe auch zu haſſen. Matth. 5, 40. — Chriſtus ſpricht nicht: Gib ihm auch den Man⸗e tel; ſondern laß ihm auch den Mautel.“ p. 978—79. — „Es hilft keine Ausrede, es iſt ſchlecht ein Gebot, dem wir ſchuldig ſind zu folgen, wie Chriſtus und ſeine Heiligen in ihrem Leben uns daſſelbe beſtätiget uud vorge— tragen haben. Gott achtet nicht, daß die Rechte, ſie ſeien geiſtlich oder weltlich, zulaſſen, Ge— walt mit Gewalt zu wehren. — Hadern vor Gericht ſtraft weder Pabſt noch Kaiſer, es ſtraft es aber Chriſtus und ſeine Lehre.“ p. 983.— „Aber das ſollte alſo geſchehn, daß niemand ſelbſt Kläger wäre, ſondern die an— dern in brüderlicher Treu und Sorgfältigkeit für einander anſagten der Obrigkeit dieſer Unſchuld und jener Unrecht, daß alſo die *) Indem wir dieſe Ercerpte über einen gerade jetzt und hier ſehr wichtigen Gegenſtand unſern Leſern mittheilen und dem aufmerkſamſten Studium empfehlen, hoffen wir in den Leſern das Verlangen zu erwecken, die unvollkommen erxcer⸗ pirten köſtlichen Schriften Luthers hierüber vollſtändig zu haben. D. H. Gewalt mit Fug und rechter Ordnung durch der Andern Bezeugen zu Strafe griffe. Ja der Leidende ſollte bitten, und wehren, daß man ſeine Sache nicht rächete; wiederum die andern nicht ablaſſen, bis das Uebel geſtraft würde; ſo ging es freundlich, chriſtlich und brüderlich zu, und würde mehr die Sünde, denn der Schaden angeſehen. Darum ſtraft St. Paulus die Corinther I, 6, 8., daß ſie rechteten mit einander und nicht lieber Schaden und Betrug litten; wiewohl er ihrer Unvoll— kommenheit zuließ, daß ſie Richter ſetzten die Geringſten unter ihnen; das that er aber ſie zu beſchämen, daß ſie ihre Unvollkommenheit erkannten. Alſo muß man auch noch dulden, die um zeitlich Gut rechten und fechten, als die weichen kindiſchen Chriſten, die man nicht hin⸗ werfen muß um Hoffnung willen ihrer Beſſe— rung. Aber man ſoll ihnen ſagen, daß daſſelbe nicht chriſtlich noch verdienſtlich wohlgethan ſei, ſondern ein menſchlich und irdiſch Werk, ver— hinderlich zur Seligkeit mehr, denn förderlich.“ p. 984. — „Solche Gebote wollen uns löſen von der Welt und begierig machen des Him-— mels; — wo uns Gott nicht ließ Unrecht und Unfried widerfahren, möchte ſich das menſch⸗ liche Herz nicht erhalten: es verwickelt und verklebet ſich zu tief in den zeitlichen Dingen, daraus denn folget Ueberdruß und Unachtſam— keit der ewigen Güter im Himmel.“ p. 986. „Nun folget der andre Grad, der iſt, daß wir ſollen geben frei umſonſt jedermann, der ſein bedarf oder begehret. Matth. 5, 42. Wer von dir bittet, dem gib. — 5 Moſ. 15, 11. 14. So nun Gott das im A. T. hat geboten, wie vielmehr ſollen wir Chriſten nicht allein dazu verbunden ſein, daß wir keinen darben noch betteln laſſen.“ p. 986—87. — „Lue. 14, 12—14. — O wie greulich Gericht wird über dieſelben ſichern Geiſter fallen, wenn am jüng⸗ ſten Tage gefragt wird, welchen ſie gegeben haben!“ p. 888—89. — „Das Gebot iſt ge— mein für alle Menſchen geſagt Matth. 5, 42. „Gib, wer dich bittet' und Luc. 6, 30. klar ausgedruckt iſt: Einem jeglichen, der dich bittet, dem gib.“ Hier wird nicht ausgezogen der Feind oder Widerpart, ja mit eingezo— gen, als daſelbſt der HErr ſich erkläret und ſpricht: 32. 35. ⸗Wenn ihr allein die liebet' ꝛc. Wenn ihr nur denen wohlthut ꝛc.“ p. 889. — „Es wäre genug, daß man des wenigen Theils gebe zu Kirchen, Altar, Vigilien, Teſtament und dergleichen und den rechten Strom gehen ließe zu dem Gebot Gottes, auf daß die Wohl⸗ that unter den Chriſten gegen die Armen größer und mehr leuchtet, denn alle ſteinernen und hölzernen Kirchen. Wir wollen nicht verwer— fen, daß man ziemliche Kirchen baue und ſchmücke, der wir nicht entbehren mögen, und Gottesdienſt billig aufs zierlichſte gehalten wird; aber doch ſollte ein Maaß da ſein und mehr geachtet werden, daß es reiniglich, denn köſtlich wäre, was zum Gottesdienſt verordnet wird.“ p. 992. — „Man hat ein Stücklein funden, das meiſterlich lehret, wie wir ſolch Gebot mö⸗ gen umgehen, und den heil. Geiſt betrügen: nehmlich es ſei niemand ſchuldig, den Dürfti⸗ gen zu geben, ſie ſind denn in der höchſten Noth. Dazu haben ſie ihnen vorbehalten zu erörtern, was die höchſte Noth ſei. Alſo lernen wir, niemand geben noch helfen, bis daß ſie Hun— gers ſterben, erfrieren, verderben, vor Armuth oder Schuld entlaufen. Aber die ſchalkhaftige Gloſſe und den verführeriſchen Zuſatz legt man mit einem Wort nieder, das lautet alſo: Lue. 6, 31. Matth. 7, 12.: Was du willſt, daß dir ein anderer thue, das thue du auch. Niemand iſt ſo närriſch, daß er ihm nicht ehe gegeben haben wollte, es gehe ihm denn jetzt die Seele aus, oder ſei vor Schuld entlaufen, und denn helfen laſſen, wenns nimmer helfen mag.“ p. 993—94. „Nun kommen wir zum dritten Grad, die zeitlichen Güter zu haudeln. Der iſt, daß wir willig und gerne leihen und borgen ſollen ohne allen Aufſatz und Zinſen. Matth. 5, 42. Und wer von dir entleihen oder borgen will, von dem kehre dich nicht, d. i. verſag's ihm nicht. Dieſer Grad iſt der allergeringſte, und iſt auch im Alten Teſtament geboten, da Gott ſagt 5 Moſ. 15, 7. 8.: So jemand aus deinen Brüdern in deiner Stadt arm wird ꝛc. ꝛc. — Nicht alle ſind eins, welchen wir leihen ſollen — viel Menſchen ſind, die den Reichen oder guten Freunden gerne leihen, mehr darum, daß ſie Gunſt ſuchen, oder ihnen verwandt ſind, denn das Gott geboten hat.— Da Gottes Ge— bot hinweiſet, da iſt Mühe und Arbeit, da will niemand leihen, es komme denn aber die höchſte Noth, daß Leihen nimmer nütz ſei. — Chriſtus aber hat in ſeinem Gebot niemand ausgeſchloſ⸗ ſen, ja er hat eingeſchloſſen allerlei Perſonen, auch die Feinde Luc. 6, 34. Wenn ihr nur denen leihet, von welchen ihr wartet, daß ſie euch 41