# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1892. 35 das Kommen und den Glauben zu wirken, aber das macht die Sache nicht erklärlicher. Denn es entſteht die Frage: Warum kommen die einen und die andern nicht? Darüber ſagt die Concordienformel II, Seite 716 (57): „Gleichfalls, wann wir ſehen, daß Gott ſein Wort an einem Ort gibet, am andern nicht gibet, von einem Ort hinwegnimmet, am andern bleiben läßt. Item einer wird ver⸗ ſtockt, verblendet, in verkehrten Sinn gegeben, ein anderer, ſo wohl in gleicher Schuld, wird wiederum bekehret ꝛc. In dieſen und dergleichen Fragen ſetzet uns Paulus ein gewiſſes Ziel, wie fern wir gehen ſollen, näm⸗ lich daß wir bei einem Theil erkennen ſollen Gottes Gericht. Dann es ſeind wohlverdiente Strafen der Sünden, wann Gott an einem Lande oder Volk die Verachtung ſeines Worts alſo ſtrafet, daß es auch über die Nach⸗ kommen gehet, wie an den Jüden zu ſehen; dadurch Gott den Seinen an etzlichen Landen und Perſonen ſeinen Ernſt zeiget, was wir alle wohl ver⸗ dienet hätten, würdig und werth wären, weil wir uns gegen Gottes Wort übel verhalten, und den Heiligen Geiſt oft ſchwerlich betrüben: auf daß wir in Gottes Furcht leben, und Gottes Güte ohne und wider unſer Ver⸗ dienſt, an und bei uns, denen er ſein Wort gibt und läßt, die er nicht ver⸗ ſtocket und verwirft, erkennen und preiſen. „Dann weil unſere Natur durch die Sünde verderbet, Gottes Zorn und der Verdammniß würdig und ſchuldig, ſo iſt uns Gott weder Wort, Geiſt oder Gnade ſchuldig, und wenn er's aus Gnaden gibt, ſo ſtoßen wir es oft von uns, und machen uns unwürdig des ewigen Lebens. Act. 13. Und ſolch ſein gerechtes wohlverſchuldetes Gericht läßt er ſchauen an etzlichen Ländern, Völkern und Perſonen, auf daß wir, wann wir gegen ihnen ge⸗ halten und mit ihnen verglichen, deſto fleißiger Gottes lautere, unverdiente Gnade an den Gefäßen der Barmherzigkeit erkennen und preiſen lernen. „Denn denen geſchieht nicht unrecht, ſo geſtrafet werden und ihrer Sünden Sold empfangen; an den andern aber, da Gott ſein Wort gibt und erhält und dadurch die Leute erleuchtet, bekehret und erhalten werden, preiſet Gott ſeine lautere Gnade und Barmherzigkeit ohne ihr Verdienſt. „Wann wir ſofern in dieſem Artikel gehen, ſo bleiben wir auf der rechten Bahn, wie geſchrieben ſteht Hoſeä 13.: Iſrael, daß du verdirbeſt, die Schuld iſt dein; daß dir aber geholfen wird, das iſt lauter meine Gnade. „Was aber in dieſer Disputation zu hoch und aus dieſen Schranken laufen will, da ſollen wir mit Paulo den Finger auf den Mund legen, ge⸗ denken und ſagen: Wer biſt du, Menſch, der du mit Gott rechten willt?" Von jeher hat es in der Kirche Leute gegeben, welche hierin kein Ge⸗ heimniß anerkennen wollten, ſondern die Sache vernunftgemäß erklärt haben, wenigſtens ſoweit die in Betracht kommen, die unter dem Schall des Evangelii ſtehen; freilich auf Koſten der Wahrheit. Einige ſagen, Gott wolle den Verlorengehenden gar nicht den Glauben und die Gabe der