# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Verhandlungen der vierzehnten Verſammlung Schrift Geheimniß ſein läßt, aber auch nicht überſehen wollen, was ſie uns in dieſer Hinſicht für Aufſchluß bietet. Beſonders müſſen wir uns hüten, daß wir nicht aus der Geſchichte nachzuweiſen ſuchen, wie Gott es mit den Menſchen meint. Denn wenn uns die Geſchichte nicht zeigt, daß wirklich zu allen Zeiten allen Völkern das Evangelium gepredigt wurde, ſo ſcheint dies nicht im Einklang zu ſtehen mit dem Worte: „Gott will, daß allen Menſchen geholfen werde." Hier iſt ein Geheimniß, welches wir nicht löſen können. Wer es löſen will, muß über Gottes Wort hinaus klug ſein. Darum offenbaren ſolche Verſuche keine Reife in chriſtlicher Erkenntniß, ſondern Unreife. Wir haben es hier mit denen zu thun, welche Gelegenheit haben, Got⸗ tes Wort zu hören oder zu leſen. Bei dieſen kann man bisweilen zeigen, wie ihr äußeres Verhalten gegen die Gnadenmittel ihnen mit Recht als Schuld zugerechnet wird. Ein ſolcher kann ſich eine Bibel kaufen und darin leſen, er kann noch zur Kirche gehen, ſich über Gottes Wort befragen, ſich unterrichten und taufen laſſen; und thut es nicht, will es nicht, ſpottet und läſtert gar über dasſelbe, ohne es einigermaßen zu kennen. Da iſt die Schuld des Menſchen offenbar. Selbſt wenn es kein Rettungsmittel für den ſündigen Menſchen gäbe, ginge er aus eigener Schuld verloren. Da es nun aber ein ſolches Mittel gibt, dadurch Gott ihn heilen will, ſo geht er, wenn er dasſelbe verachtet, zunächſt wegen der Verachtung des Gnaden⸗ mittels verloren. Und dieſe Schuld erkennen wir. Beſonders klar wird uns die Schuld eines ſolchen Verächters der Gnadenmittel, wenn wir be⸗ denken, was damit verbunden iſt, nämlich, Verachtung der Stimme Gottes in ſeinem Herzen, Unterdrückung des anerſchaffenen Gottesbewußtſeins, Be⸗ täubung des ihn anklagenden und verurtheilenden Gewiſſens, ein Schließen der Augen vor Gottes Bezeugungen in der Natur, in der Geſchichte, in ſeinem eigenen Leben, die ein Trieb und Sporn für ihn ſein ſollten, Gott zu ſuchen, nach weiterer Offenbarung Gottes ſich umzuſehen. Dafür finden auch wir keine Entſchuldigung. Es iſt ein muthwilliges Unterdrücken der Wahrheit, ein muthwilliges Schließen der Augen, ein freiwilliges, weiteres Sich⸗Hingeben in die Macht der Sünde, die ihn beherrſcht, und unter die Macht des Satans, in der er ſich befindet. Solche Freiheit des natürlichen Menſchen im äußerlichen Gebrauch und Nicht⸗Gebrauch der Gnadenmittel, und ſeine Verſchuldung, wenn er die Mittel nicht gebraucht, bekennt auch die Concordienformel II, S. 601: „Dieſes Wort kann der Menſch, ſo auch noch nicht zu Gott bekehret und wiedergeboren iſt, äußerlich hören und leſen; denn in dieſen äußerlichen Dingen, wie eben geſagt, hat der Menſch auch nach dem Fall etlichermaßen einen freien Willen, daß er zur Kirche gehen, der Predigt zuhören oder nicht zuhören mag." Seite 602 (58): „Da aber ein ſolcher Menſch ver⸗ achtet des Heiligen Geiſtes Werkzeug und will nicht hören, ſo geſchieht ihme nicht unrecht, wenn der Heilige Geiſt ihn nicht erleuchtet, ſondern in der