# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der vierzehnten Verſammlung Infolge des erbſündlichen Verderbens alſo können ſich die von Natur glaubloſen Menſchen nicht ſelbſt gläubig machen, nicht aus ſich ſelbſt die im Worte angebotene Gnade annehmen, ſomit auch nicht die Verloren⸗ gehenden. Doch macht dieſe Unfähigkeit keinen ſchuldlos. Daß ein Menſch nicht glauben kann, rechnet ihm Gott in ſeinem Wort zur Verdammniß, alſo als Schuld an. Röm. 8, 7. 8. heißt es: „Denn fleiſchlich geſinnet ſein iſt eine Feindſchaft wider Gott, ſintemal es dem Geſetz Gottes nicht unterthan iſt; denn es vermag es auch nicht. Die aber fleiſchlich ſind, mögen Gott nicht gefallen." Es iſt hier nicht richtig, wenn man ſagt: Der Menſch iſt zu nichts mehr verpflichtet, als er zu leiſten vermag, ſondern hier heißt es: Ultra posse homo obligatur, das heißt, der Menſch iſt zu mehr verpflichtet als er leiſten kann. Daß er im erbſündlichen Verderben, daß er von Natur im Unglauben liegt, daß er wegen der Erbſünde dem Gnaden⸗ zuge Gottes beſtändig widerſtrebt, iſt ſeine Schuld, trotz ſeiner Unfähigkeit, aus ſich ſelbſt es zu laſſen und zum Glauben zu kommen. Daher alle Men⸗ ſchen von Natur Kinder des Zorns, ſtrafbar ſind. Schuldig ſind ſchon die eben gebornen Kinder, ſchuldig ſind die vor der Welt ehrbaren Un⸗ gläubigen, gleich den Allerverworfenſten; ſchuldig ſind, die das Evange⸗ lium gehört haben und nicht glauben, ſchuldig ſind auch, die es nie gehört haben. Wenn die Schrift ſagt, daß Menſchen durch freventliche That⸗ ſünden ſich den Zorn häufen auf den Tag des Gerichts, ſo wird damit die Schuld der ſogenannten ehrbaren Welt nicht geleugnet, ſondern das Ver⸗ hältniß iſt ſo: Die einen haben Schuld, die andern haben größere Schuld. Ebenſo, wenn geſagt wird, daß der Knecht, der ſeines Herrn Willen weiß und hat ihn nicht gethan, doppelte Streiche leiden muß, ſo heißt es zu⸗ gleich, daß der Knecht, welcher ihn nicht weiß und hat gethan, was der Streiche werth iſt, auch Streiche leiden muß; alſo beide ſind ſie ſchuldig, die das Evangelium gehört haben und nicht glauben, und die das Evan⸗ gelium nicht gehört haben. Die Schuld fängt eben nicht erſt dann an, wenn einer das Evangelium gehört hat. Dann zeigt ſich vielmehr nur der Unglaube am deutlichſten, ja, je mehr Gott an einem Menſchen arbeitet, deſto hartnäckiger widerſtrebt er, deſto mehr entfaltet ſich ſein Unglaube (wie das Exempel Pharaos zeigt), deſto größer wird auch die Schuld. Weil aber der Unglaube auch bei denen iſt, welche das Evangelium nicht gehört haben, ſo ſind ſie auch ſchuldig, verdammlich. Wenn einer Gottes Wort hört und nicht glaubt, ſo iſt er fremd und außer der Bürgerſchaft Iſrael, ſo iſt er fremd von den Teſtamenten der Verheißung, er hat keine Hoffnung und iſt ohne Gott in der Welt; gerade ſo iſt es mit den Heiden, die Gottes Wort nicht gehört haben, denn von ſolchen hat der Apoſtel es ausgeſagt. Der Unglaube, welcher bei der Predigt des Evangeliums offenbar wird, iſt nichts Neues, nichts, das dann erſt entſtanden wäre, keine neue Sünde, die ſtatt der alten Sünden hervorkäme und den Menſchen verdamme, ſondern