# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1892. 23 für die, welche verloren gehen, keine Möglichkeit gebe, zum Glauben zu kommen, und Gott ſelbſt hätte nach unſerer Lehre ihnen dieſe Möglichkeit abgeſchnitten, indem er es unterlaſſen habe, auch ſie zu erwählen; wo⸗ nach Gott denn die Urſache ſei, daß dieſe nicht zum Glauben kommen und, darin beharrend, ſelig werden. Mit dieſer Folgerung unſerer Gegner haben wir eigentlich nichts zu thun; das mögen ſie ſelbſt verantworten. Unſere Sache iſt es nur zu zeigen, daß unſere Lehre die Lehre der heiligen Schrift iſt; daß der von den Gegnern gemachte Schluß gegen Gottes Wort iſt, daß wir ihn nicht machen, und dann mögen ſie zeigen, mit welchem Recht ſie ſolche Folgerungen machen. Nun iſt aber nach Schrift (wie oben gezeigt) und Bekenntniß die Kindſchaft und der Glaube Folge der ewigen Wahl Gottes. Das ſagt der Heilige Geiſt ſelbſt. Derſelbe Heilige Geiſt lehrt aber auch, daß Gott von Ewigkeit ſich aller erbarmt und beſchloſſen hat, ihnen allen einen Heiland zu ſenden, er lud thatſächlich aller Menſchen Sünden auf Chriſtum, durch ihn ſind alle befreit, er ſucht mit Ernſt jede Seele und will nicht, daß jemand verloren werde. Dennoch werden nicht alle ſelig, ſondern allein die Auserwählten, und dieſe alle. Fragen wir, ob alle diejenigen ſelig werden, welche erwählt ſind, ſo ſagt die Schrift: Ja; fragen wir aber, ob alle diejenigen ſelig werden, welche Gott nach ſeinem allgemeinen Rathſchluß ſelig machen will, ſo heißt es in der Schrift: Nein, „viele ſind berufen, aber wenige ſind auserwählt"; „Wie oft habe ich deine Kinder verſammeln wollen, wie eine Henne verſammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel und ihr habt nicht gewollt." Dennoch ſind die ewige Wahl Gottes und der allgemeine Rathſchluß zur Seligkeit aller Menſchen nicht als zwei neben einander arbeitende Maſchinen zu denken, es ſind nicht zwei Gnaden⸗ willen, ſondern es iſt ein Wille, der an den Auserwählten zur Erfüllung gelangt und wider den ſich die Verlorengehenden im Unglauben ſetzen. Es iſt darum der Schluß falſch, daß, wenn die Auserwählten zum Glauben er⸗ wählt ſind, die andern zur Verdammniß beſtimmt ſein müſſen. Gottes Wort ſelbſt behauptet das erſte und leugnet das letztere. Es iſt nicht wahr, daß damit für die Verlorengehenden von Gott jede Möglichkeit abgeſchnitten ſei, ſelig zu werden, wenn damit gemeint iſt, daß Gott ſie nicht ſelig machen wolle, Chriſtus ſie nicht erlöſt habe, der Heilige Geiſt ſie nicht ernſtlich be⸗ rufe. Die Schrift redet überhaupt nicht von bloßen Möglichkeiten des Seligwerdens und wir thun beſſer, einen ſolchen Ausdruck, der ſo vielfach gedeutet werden kann, nicht zu gebrauchen. Es iſt genug, daß wir von Gottes unendlicher Barmherzigkeit und unſers Heilandes Verdienſt für uns und alle Menſchen wiſſen. Daran haben wir Troſt und die ſeligſte Hoff⸗ nung in allen Lagen, mehr brauchen wir nicht zu wiſſen. Gerade die⸗ jenigen, welche dereinſt ſelig werden, ſind auch von Herzen demüthig, geben ſich mit ſolcher Offenbarung zufrieden und forſchen nicht nach allerhand Möglichkeiten. Sie wiſſen, daß es nicht an ihrem Wollen oder Laufen liegt, daß ſie ſelig werden, ſondern an Gottes Erbarmen. Hingegen die⸗